Modellcharakter
Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gastes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie eröffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen «Grotta di Trofonio» startet mit derselben düster-dräuenden Feierlichkeit, die dem Magier Trofonio gehört. Salieris Stück kam 1785 am alten Burgtheater heraus, vor Mozarts «Da-Ponte-Opern» also.
Es nimmt den «Don Giovanni» auch in der Anlage des Dramma giocoso vorweg, im zweiaktigen Aufbau, im Mix der Semiseria. Was für eine Überraschung! Mozart hätte eigentlich Gebühren zahlen müssen für die vielen Ideen, die er von Salieri übernahm, meint der Dirigent Christophe Rousset, der «La grotta di Trofonio» 2005 in Lausanne einstudierte (siehe OW 5/2005) und auf CD einspielte. Man könne schon verstehen, dass der Ältere über die Raffinesse seines Kollegen, sich fremde musikalische Gedanken zu eigen zu machen, verärgert, vielleicht sogar verbittert war. Mit einem Mord habe das freilich nichts zu tun.
Bei den Zeitgenossen kam «La ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Große Stimmen und prunkvolle Ausstattung haben an der Met Tradition. Die Neuproduktion von Puccinis «Il trittico», die zehnte der dreißig (meist unbedeutenden) Uraufführungen an dem New Yorker Haus, stellt alles bislang Dagewesene in den Schatten – selbst Zeffirellis pompöse «Turandot». Der erstmals vom Broadway an die Met engagierte Designer Douglas W. Schmidt hat...
Die französische Sopranistin Sylvie Valayre erzählt im Interview dieses Heftes eine Geschichte, die man erfinden müsste, wenn sie nicht passiert wäre. Sie sang an einem großen deutschen Opernhaus eine französische Arie vor. Natürlich in Originalsprache. Ein Assistent des (im Dunkeln anwesenden) Generalmusikdirektors kam hinter die Bühne und erklärte der Sängerin,...
Das Grauen nistet meist dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Zwischen den Grashalmen eines Vorstadtgartens. Oder in einer Yuppie-Wohnung. Plötzlich ist es da, und niemand kann sagen, woher es gekommen ist. Das verwesende, von Ungeziefer befallene Ohr, das Jeffrey in «Blue Velvet» auf dem Rasen findet. Die privaten Videos, die Renée und Fred in «Lost Highway»...
