Mit Paukenschlag

Der neue Intendant der Wuppertaler Bühnen richtet die Oper wieder auf – zum imposanten Start gibt’s Offenbachs «Hoffmann» und die «Three Tales» von Steve Reich und Beryl Korot

Opernwelt - Logo

Man gibt sich weltoffen an der Oper von Wuppertal – einer Stadt, in der ein Drittel der Bevölkerung von Migranten abstammt, Tendenz steigend. Im Saisonheft lächelt ein schwarzes Mädchen mit blauen Augen in die Kamera des Reportagefotografen Jens Großmann, eine Frau steht vor den Trümmern ihres sturmzerstörten Hauses auf den Philippinen, Erdbeben in Kaschmir, Spuren des Terrors in Liberia. Das alles hat mit dem Spielplan wenig zu tun und wirkt in seiner Gutmenschenhaltung von Kulturschaffenden auch aufgesetzt.

Aber der neue Intendant Berthold Schneider will auf keinen Fall die Fehler seines Vorgängers Toshiyuki Kamioka wiederholen. Der hatte in seiner kurzen Zeit als Chef von Oper und Sinfonieorchester das Musiktheater nach italienischem Vorbild als Serie populärer Erfolgsopern mit Gastsängern aufgezogen und dafür das Ensemble sowie einen Großteil des künstlerischen Teams an die Luft gesetzt. In einer Stadt, in der schon ein in der Substanz angegriffenes Schauspielhaus geschlossen werden musste, driftete nun auch die Oper in die künstlerische Beliebigkeit und havarierte nicht nur bei der Kritik, sondern vor allem beim Publikum – für Berthold Schneider das «Herz» jedes Opernbetriebs.

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Michael Struck-Schloen

Weitere Beiträge
Volksgroteske

Heute fragt man sich: Wo war damals das Problem? 1977, als der ORF, also das österreichische öffentlich-rechtliche Fernsehen, die «Staatsoperette» sendete – und ein Sturm der Entrüstung losbrach. Casus belli war ein Film von Franz Novotny, mit starkem Musikanteil. Man könnte auch von einer Fernsehoper sprechen. Es handelte sich um eine zugegeben etwas zugespitzte...

In Statu Nascendi

Die Probleme gehen schon mit den Sprechtexten los. Mit dem pausbäckig-hölzern die vielstimmige französische Vorlage (Jean Nicolas Bouilly) nivellierenden Deutsch des Wiener Hoftheatersekretärs Joseph Sonnleithner, das auch in der Bearbeitung von Friedrich Treitschke nicht wirklich zündet. Schon Wieland Wagner hatte bei seiner Stuttgarter «Fidelio»-Inszenierung...

Sehnsucht nach Schönheit

Die Geschichte spielt in ferner Vergangenheit, tief im Alten China. Doch die Themen, die in Bright Shengs «Dream of the Red Chamber» verarbeitet werden, sind jedem Operngänger vertraut. Im aktuellen Auftragswerk der San Francisco Opera – Intendant David Gockley, gerade in den Ruhestand verabschiedet, hat die Kompanie als Hort von Neuschöpfungen etabliert – geht es...