Stadt und Land
Das deutsche und österreichische Repertoiresystem, im Einzelnen schon durch die normative Kraft des Faktischen in Frage gestellt, hat mit den Pariser Operngepflogenheiten wenig gemein. Das einzige Opernhaus, das sich mit deutschen Bühnen vergleichen lässt, ist die Opéra National mit ihren beiden Spielstätten Opéra de Bastille (2700 Plätze) und Palais Garnier, der alten Grand Opéra, mit offiziell 1979 Plätzen, von denen wegen Sichtbehinderung aber nur rund 1750 verkauft werden.
Die Opéra National besitzt ein eigenes Orchester mit 170 Mitgliedern, der Chor umfasst 108 festangestellte Sängerinnen und Sänger. Die Größe des Orchesters gestattet für viele Produktionen mit Zweiteilung des Ensembles in «grünes» und «blaues» Orchester. Eine Farbe ist jeweils einem Projekt zugeordnet, was bedeutet: Die Besetzung ist für jede Vorstellung immer konstant. Einen «fliegenden» Musikerwechsel von Abend zu Abend gibt es nicht. Der amtierende Dirigent kann sich darauf verlassen, dass das in den Proben Erarbeitete auch in der folgenden Vorstellungsserie gesichert ist.
Wer die Pariser Nationaloper einschätzen will, etwa im Vergleich zu Wien, München, Berlin, darf die Rolle des Balletts nicht ...
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Auch wenn man es ihm nicht sofort anmerkt: Musikalisch ist «Lohengrin» durch und durch ein Werk des Übergangs. Bis zum «Rheingold», wo sich das Motivgewebe radikal und frei ausbreitetet, bleibt ein weiter Weg. Noch kleben die Themen eng an dem, was Wagner später als «quadratische Tonsatz-Konstruktion» verspottete. Noch sind ihre Metamorphosen begrenzt, ihre...
Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...
Beim Inszenieren von Opern wird oft zu wenig auf den so genannten Faltenwurf eines Werkes geachtet. Es müsste von Fall zu Fall geprüft werden, ob die alte Handlung noch schlüssig vorgetragen werden kann, wenn sie zeitlich verlegt wird. Oder ob die Geschichte weitgehend unverständlich bleibt, wenn man sie heutig kostümiert, um damit Aktualität zu demonstrieren. Zu...
