Reise ins Innere
Nach «Celan» (2001) und «Hölderlin» (2008) hat Peter Ruzicka auch in seinem jüngsten Bühnenwerk mit dem jüdischen Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin das Schicksal einer exemplarisch an Deutschland zerbrochenen Existenz ins Zentrum gestellt. Yona Kims Libretto fokussiert ihn am point of no return: dem spanischen Grenzort Portbou, wo Benjamin auf der Flucht vor den Nazis 1940 Selbstmord beging.
In sieben kaleidoskopartigen, aber keiner Chronologie folgenden Bildern blättert sie rückblickend Stationen seines Lebens und Denkens auf – von der Kindheit im Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Exil in Frankreich. Benjamin wird dabei in der Auseinandersetzung mit seinen engsten Weggefährten – der Ehefrau Dora, der bolschewistischen Geliebten Asja Lacis, der Philosophin Hannah Arendt, dem Jugendfreund Gershom Scholem und Bertolt Brecht – zum Schauplatz der revolutionären Utopien wie der geschichtlichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Kim montiert die Gesangstexte aus Zitatfetzen, die sie aus Benjamins Texten herausbricht und metaphorisch verdichtet, verrätselt dadurch die Figuren aber auch zu Allegorien eines intellektuellen Gedankentheaters, dem mit spontaner ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert
«Celan» (1998/99), «Hölderlin» (2008) und «Benjamin» (2015/16) heißen die drei Musiktheaterwerke, die Peter Ruzicka bisher vorgelegt hat und aus deren jeweiligen Klang- wie Denk-Konstellationen er späterhin auch namensentsprechende «Symphonien» destilliert hat, darunter die Ende März 2018 vom hr-Symphonieorchester unter Leitung des Komponisten uraufgeführte...
Ein Lächeln, hinter dem sich eine unversehrte Vergangenheit verbirgt: Wir können uns nicht erinnern, wo wir diesen sinngemäß rekapitulierten Satz gelesen haben. Stammt er aus Pascal Merciers «Klavierstimmer»? Auf jeden Fall blieb er in sicherer Erinnerung und fällt uns beim Anhören von Jodie Devos’ Recital «Offenbach colorature» ein. Die junge Belgierin mit der so...
Filmmusikkomponisten genießen in der Klassikwelt einen durchwachsenen Ruf. Misstrauen regt sich erst recht, wenn sie ihr Genre verlassen. In der Tat kann das ins Auge gehen, wie unlängst in London, als Lucas Cantor aus musikalischen Partikeln, die ein Smartphone-Programm aus diversen Schubert-Kompositionen destilliert hatte, die zwei fehlenden Sätze zu dessen...
