Farben ohne Form
Simon Boccanegra» gehört, wie «Macbeth» und «Don Carlos», zu den experimentellen Opern Verdis und hat wie diese erst nach einer gründlichen Überarbeitung seine endgültige Gestalt gefunden. Das Werk enthält keine eingängigen, populären Melodien, zudem erschwert eine krause Handlung die Rezeption. Abramo Basevi, Autor der ersten Verdi-Monografie, will das Libretto sechsmal gelesen haben, ehe er verstand, was vorgeht. «Das Stück», so Verdi, «ist düster, weil es düster sein muss, aber es ist fesselnd.
» Um diesen fesselnden Kern freizulegen, bedarf es nicht nur überzeugender Sängerdarsteller, sondern vor allem eines Dirigenten, der das musikalische Drama erfasst und gestaltet.
Und daran hapert es bei der neuesten, aus dem litauischen Kaunas kommenden Gesamtaufnahme. Zwar spielt das dortige Städtische Sinfonieorchester durchaus kompetent – vor allem die Soli von Oboe und Klarinette ragen heraus –, wird von seinem amerikanischen Chefdirigenten Constantine Orbelian aber allzu rigide auf eine begleitende Funktion reduziert. Selbst ein dramatischer Höhepunkt wie die große Ratsszene mit der abschließenden Selbstverfluchung des Intriganten Paolo verpufft. An die Genauigkeit, ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise...
Die witzig verspielte Inszenierung von Richard Strauss’«Ariadne auf Naxos», die der deutsche Regisseur Aron Stiehl 2013 im Theater St. Gallen vorgestellt hat, ist in bester Erinnerung. Seine jüngste Arbeit in diesem Haus, sie gilt Giuseppe Verdis «Macbeth» in der auf Italienisch gegebenen Pariser Fassung von 1865, hält diese Höhe nicht; vor allem in der...
Kleiner als im Mittelsächsischen Theater Freiberg, einem der ältesten noch bestehenden Stadttheater Deutschlands (1791), geht’s kaum. Das Puppenstubentheater in der historischen Freiberger Altstadt mit einer Bühne von 10 mal 12 Metern und einem Orchestergraben, in den gerade mal 44 Musiker passen, bietet ganzen 294 Zuschauern Platz. Trotzdem ist hier nicht...
