Stileinheit
Ihre Antworten sind so unmissverständlich wie ihre Art, Musik zu machen: «Es gibt keine Spezialisten und Nicht-Spezialisten, es gibt nur Stimmen, die passen, und Stimmen, die nicht passen.» Damit sind alle weiteren Fragen, warum Emmanuelle Haïm sich vor Jahresfrist für Ian Bostridge als Orfeo und nun für Rollando Villazón als Testo im «Combattimento di Tancredi e Clorinda» entschieden hat, überflüssig.
Das Ergebnis gibt ihr Recht. Wer glaubt, dass sich Villazón in Monteverdis Klangwelten ausnimmt wie ein Pfau im Innenraum des Kölner Doms, irrt.
Villazón trumpft auf, aber er übertrumpft nicht. Er singt kraftvoll, leidenschaftlich, aber auch diskret und schonend, stets mit Raffinement und in durchdachter Kongruenz mit dem mal duftig, mal kernig aufspielenden Concert d’Astrée. Auch Befürchtungen, dass sich Villazón im vokalen Zusammenspiel mit Topi Lehtipuu und der klangzaubernden Patrizia Ciofi als einsamer, dynamisch kraftstrotzender Vorkämpfer im Schlachtgetümmel erweisen würde, erfüllen sich nicht. Den Hörer erwartet vielmehr eine gelungene Synthese aus jener tenoralen Schlankheit, die sich in der Alte-Musik-Bewegung Bahn gebrochen hat, und einer selbstbewussten, selbst bei ...
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Es ist ein Kreuz mit schlechten Libretti. Sie können ganze Opern, aller musikalischen Qualitäten ungeachtet, in die Vergessenheit stoßen, und können umgekehrt – ihrer mäßigen, um nicht zu sagen schlechten literarischen und stofflichen Verarbeitung zum Trotz – manchen Meisterwerken einfach nichts anhaben. Das Textbuch zu Verdis «Trovatore» ist gewiss der letzteren...
Boitos «Mefistofele» hat in der Geschichte der Schallplatte eine Rolle gespielt, die in keinem Verhältnis steht zu der vergleichsweise bescheidenen Verbreitung des Werkes auf der Bühne. Kaum ein Tenor des italienischen Fachs hat es in den letzten hundert Jahren versäumt, sich mit den beiden Arien des Faust zu verewigen, kein lirico-spinto-Sopran hat Margheritas...
Am 2. Dezember stand Theo Adam zum letzten Mal auf der Bühne der Semperoper: in der Partie des Eremiten («Der Freischütz»), die er bereits 1949 während seiner ersten Spielzeit in Dresden gesungen hatte. Seiner sächsischen Heimat ist der Bass-Bariton auch in politisch schwierigen Zeiten treu geblieben. Aufgewachsen in der Tradition des Kreuzchores wurde Theo Adam...
