Kreuzstich und Ironie

Verdis „Falstaff” in Glyndebourne

Opernwelt - Logo

Der Herbst neigt zum Winter, alles wird fein, klein, kühl. Gehirn und Anschauung, Behaglichkeit der Erinnerung. So beschrieb Oskar Bie die Stimmungslage von Verdis «Falstaff». Nostalgische Behaglichkeit dieser Art suggeriert auch der Bühnenvorhang, der den Zuschauer beim Betreten des Auditoriums im Festspielhaus zu Glyndebourne empfängt: das Städtchen Windsor-upon-Thames als Postkartenidylle in Form einer den Bühnenrahmen füllenden Stickerei wie ein riesiges Zierpolster. Regisseur Richard Jones wickelt das Stück quasi als TV-Vorabendserie ab, angesiedelt in den 1940er, 1950er Jahren.

Very British, vielleicht ein bisschen zu sehr, bedenkt man das recht italienische Temperament der Musik.
Apropos: Während Puccini in Glyndebourne immer als der Latin Lover angesehen wurde, mit dem man im Urlaub eine Affäre hat, der aber zu Hause niemals zum Tee gebeten würde (gerade mal «La Bohème», «Manon Lescaut» und «Gianni Schicchi» spielte man in den letzten vier Jahrzehnten), schien Verdi glücklicher: Immerhin sieben seiner Opern führte dieses Festival in den nunmehr 75 Jahren des Bestehens im Programm; die Schlüsselposition dabei hat «Falstaff» mit vier Neuinszenierungen. In der jüngsten sehen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unterwegs auf Nebenwegen

Gut zwei Jahrzehnte ist es her, dass der Dirigent Stephen Crout die Washington Concert Opera (WCO) ins Leben rief. Seit 1987 hat die Company in dem 1550 Plätze bietenden Lisner Auditorium der George Washington University 38 Opern präsentiert. Crout konnte etwas Geld von Stiftungen einwerben, doch den größten Teil des Budgets stellen die Abonnenten und private...

Jedermann im Medienzirkus

Das ist gewiss rekordverdächtig: Zwei junge Komponisten, Mark Moebius und Karola Obermüller, haben unter Assistenz von sechs librettistischen Zuarbeitern nach Sibylle Bergs Stück «Helges Leben» eine Oper geschrieben, die unter Mithilfe zweier Dirigenten und zweier Regisseure am 31. Mai vom Theater Bielefeld (in Kooperation mit der Deutsche Bank Stiftung und dem NRW...

Entführung aus dem Fundus

Louis Spohr spielt als Opernkomponist nur eine Nebenrolle im Repertoire. Allenfalls «Jessonda» und seine Vertonung des Faust-Stoffes sind ab und an zu sehen. Kaum mehr als eine Ahnung hat sich beim Publikum davon bewahren können, welch einflussreiche und hoch geschätzte Künstlerpersönlichkeit Spohr zu Lebzeiten war. «Avantgardist des Musiklebens seiner Zeit» hat...