Kontraste
Zwei neue CD-Programme von zwei der besten Countertenöre unserer Tage mit Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Was Sängertypus, Konzeption und Interpretation betrifft, könnten die Produktionen kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht Max Emanuel Cencic, der mit knapp 40 Jahren schon zu den Altmeistern seines Fachs gehört. Auf der anderen der zehn Jahre jüngere Valer Sabadus – auch er mischt längst in der ersten Counter-Riege mit.
Sabadus singt Arien des Venezianers Antonio Caldara, und zwar ausschließlich solche, die für Gesangsstimme und konzertierende Soloinstrumente gesetzt sind. Ein Repertoire, das immer wieder mit besonderen Klangeffekten überrascht. Etwa mit der fast schon skurrilen Kombination von Traversflöte und Chalumeau in der bukolischen Nummer «Questo è il prato» (aus «Nigella e Tirsi»). Oder mit der wiederholten Verwendung des Salterios, einer Art Hackbrett, dessen quecksilbriger Klang eine ganz eigene Atmosphäre evoziert. Im Grunde haben wir es mit Duetten zu tun, in denen die Instrumente nicht selten die Grundstimmung der Stücke prägen. So teilt sich Sabadus die Bühne mit den hervorragenden ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Björn Woll
Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...
In Chicago bekommt man nicht übertrieben häufig neue Stücke vorgesetzt, ganz zu schweigen von solchen, die tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen (wie etwa 1992 William Bolcoms «McTeague», definitiv ein repertoiretaugliches Werk). Entsprechend große Beachtung fand deshalb der erste Opernversuch des aus Peru stammenden Komponisten Jimmy López (*1978),...
Es gab eine Zeit, da schlug kein Star am Wagner-Himmel eine Gelegenheit zum Auftritt in Buenos Aires aus. Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Birgit Nilsson oder Wolfgang Windgassen – sie alle gastierten am Río de la Plata. Heute scheint das kaum mehr vorstellbar. Auch wenn sich das Teatro Colón inzwischen wie die Gralsgemeinschaft im «Parsifal» zu erneuern sucht –...
