Glaube, Treue, Schande
Merkwürdig. Ist da was …? Der König hebt den treuen Vasallen im siegreichen Kampf wider die Sachsen hervor. Und die Inszenierung konstruiert da flugs ein Dreieck aus einem notorisch Gutgläubigen und zwei Verdächtigen. Der König: Marke? Die ihn hintergehen: Isolde? Tristan? Und da, bevor Akt zwei anhebt – der da auf der blau-weiß-rot drapierten Bühne durch den Türschlitz späht und lauscht: Melot? Schließlich der das heimliche Liebespaar gegen Morgen aufrüttelt: Kurwenal? Eine maskuline Brangäne?
Lassen wir das Spielchen.
Wir sitzen in Straßburg nicht in einer Oper Richard Wagners. Der König, der der Tafelrunde vorsteht, heißt nicht Marke, sondern Artus, der in Frankreich noch ein zusätzliches h abbekommt: «Le Roi Arthus». Und die sich verborgen zugetan sind, heißen hier Genièvre und Lancelot. Der Zurückgesetzte, der ihnen nachspürt, hört auf den Namen Mordred. Ernest Chausson (1855-1899), wie der Bayreuther Meister Komponist und Librettist in einer – hoch gebildeten – Person, war zwar vom Wagner-Bazillus befallen, aber in keiner Beziehung ein Wagner. Der «Tristan» und seine Chromatik, aber auch der «Parsifal», das Raunen der «Götterdämmerung» sind wohl zum Greifen nahe – und das ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch
Jubilare
Er gehört zu den wenigen französischen Opernsängern, die 18 Jahre in Folge an der New Yorker Met gastierten. Der Bariton Gabriel Bacquier erhielt seine musikalische Ausbildung zwischen 1945 und 1950 am Pariser Konservatorium und war von 1953 bis 1956 Ensemblemitglied am Brüsseler Opernhaus La Monnaie, wo er französisches und italienisches Repertoire sang....
Festspiele sollen etwas Einmaliges, Außergewöhnliches, Nicht-Alltägliches sein. Ist dies in einer von den Medien beherrschten Zeit überhaupt noch möglich?
In Wien entsteht jedes Jahr ein im Kleid von Festwochen sich darstellendes Konstrukt aus Veranstaltungen – Theater, Oper, Konzert, Performance, Bildende Kunst –, die einem bestimmten Gedanken folgen. Wenn Sie so...
Wer sich selbst sehen will, braucht einen Spiegel. In der Oper war die Historisierung schon früh ein Mittel, die eigene Gegenwart in den Blick zu bekommen. Geschichtliche Distanz spornt an zur Selbstdeutung – als Eigenleistung des Zuschauers, nicht als Diktat des Autors. Darin lag der Sinn von Stoffen aus fernen Ländern und Zeiten. Der Theologe und Dichter...
