Jagd aller auf alle
Don Giovanni»: ein (Komödien-)Tohuwabohu. Aber auch die Jagd aller auf alle. 1789, ein Jahr nach der Wiener Erstaufführung, bricht die Französische Revolution aus, die sich auch in Österreich schon abzeichnete, sogar in Mozarts kompositorische Strukturen einging: Wenn in der Tanzszene im ersten Finale Adels-Menuett, bürgerliche Contredanse und bäuerlicher Ländler gleichzeitig stattfinden, geschieht, was vorher kaum denkbar gewesen wäre: Die soziale Hierarchie löst sich auf.
Die realen Machtverhältnisse historisch im Detail zu rekonstruieren, ist so unmöglich wie letztlich unergiebig. Doch die Folgen der aus dem angeblichen Lot geratenen Gesellschaft verlängernd darzustellen, die Figuren aus der Situation heraus neu auszuleuchten, erweist sich als durchaus produktiv. Tilman Knabe hat für seine Mainzer Inszenierung kräftige Konsequenzen gezogen, indem er das Ganze in ein gegenwärtiges Bürgerkriegs-Szenario überführt, mit einem Amüsier-Hotel als Drehscheibe im doppelten Sinn. Ein arabischer Schriftzug verweist auf asiatisch-afrikanische Konfliktzonen. Wer hier gegen wen kämpft, bleibt offen, waffenfuchtelnde Milizen rasen im Kreis – und die TV-Teams hängen wie Kletten an dem jeweils ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard R. Koch
Auf seiner Website nennt er sich «Saddo», vom englischen sad. Dabei klingt seine
Lebensgeschichte gar nicht so traurig. Der britische Tenor Christopher Gillett steht seit 35 Jahren auf der Bühne, überall. An der Scala, in Aix, in Los Angeles. In London hat er einst unter Carlos Kleiber gesungen, Rodrigo in Verdis «Otello». Kürzlich half er an der Seite von Diana...
Das Leben ist kein Ponyhof? Mag sein. Dafür ist die Opernbühne manchmal ein Bestiarium. Da findet man Ziege, Pferd, Hund und Katze und natürlich jede Menge Vögel, die nicht nur tirilieren, sondern sogar Wagner’sche Reime von sich geben können. Zu Titelrollen haben es aber nur wenige Tiere gebracht: Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» zum Beispiel, in diesem Spätwerk...
Und wieder kommt uns bei «The Rape of Lucretia» der sarkastisch-sexistische Aphorismus Georg Christoph Lichtenbergs über die «Ehre der Frauenzimmer», die, pardon, «nur einen halben Zoll vom Arsche abliegt» (Zitat aus Lichtenbergs «Sudelbüchern»), in den Sinn. Zwar weit weniger sudelig, aber dennoch merkbar scheint dies auch über Benjamin Brittens zweiter Oper zu...
