Der König irrt
Riccardo – Gustavo III.? Renato – Graf Anckarström? Verdis «Maskenball» kursiert auf den Bühnen in zwei Fassungen: der «Bostoner», die die römische Zensur 1858 schließlich zuließ. Und die der – ursprünglichen – «Schwedischen», die die Intrigen um und den Mord am Schwedenkönig Gustav III. thematisierte. Dass Regisseur Aron Stiehl am Badischen Staatstheater sich für diese entschieden hat, könnte man unter dem Kapitel historische Genauigkeit verbuchen.
Aber mit Blick auf die opulente Inszenierung ist das eher sekundär: Stiehl spielt vor allem mit dem formalen Dualismus in dieser Oper; einem Dualismus, der sich weit mehr aus Verdis virtuoser Mischung von Tragödie und Opéra comique ergibt als aus den Antipoden der Handlung, Riccardo/Gustav III. und seinen Widersachern.
Der Karlsruher Neuproduktion (Bühne: Friedrich Eggert, Kostüme: Doey Lüthi) geht es um eine Psychologisierung der Dreierbeziehung des glücklosen Herrschers zu seinem besten Freund Anckarström und dessen Frau Amelia. Der König amüsiert sich – und der König irrt sich: in seiner Einschätzung der Umwelt. Szenisch verdeutlicht dies ein Riss, der sich schon früh auf der Bühne auftut und zunächst immer mehr verbreitert. Zudem ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Alexander Dick
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