Geheime Bezüge
Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina».
Zwei selten gespielte Künstleropern mit autobiografischem Hintergrund, Arnold Schönbergs «Die glückliche Hand» (1913) und Leos Janáceks «Osud» (1906), haben Jossi Wieler und Sergio Morabito zu einem Doppelabend gekoppelt, der scheinbar nur die Unvereinbarkeit der beiden Stücke betont, aber doch geheime Bezüge schafft.
Den Anfang macht Schönbergs Einakter, mit zwanzig Minuten Spieldauer ein Wunder an musikalischer Verdichtung. Im Zentrum des von Strindberg inspirierten Geschlechterkampfs steht der einsame Künstler. Erfolg, eine glückliche Hand also, hat er nur in der Arbeit, während ihm die Liebe versagt bleibt. Ihm zur Seite steht ein Flüsterchor warnender und tröstender Stimmen. Textlich bleibt das Ganze banal und gewinnt seinen beschwörenden Ausdruck allein durch die Musik, deren expressive Gewalt Schönberg mit unerhörter Meisterschaft durchs Nadelöhr der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Sie hat sich mit Schubert auseinandergesetzt («Impromptus») und Opern choreografiert («Dido & Aeneas» von Purcell, «Medea» und «Passion» von Pascal Dusapin, zuletzt «Matsukaze» von Toshio Hosokawa). Auch die Idee szenischer Konzerte hat sie auf der Bühne schon einmal durchgespielt («Jagden und Formen – Zustand 2008» von Wolfgang Rihm). Doch so weit wie in ihrer...
Da kneift man sich diesen ganzen Freiburger «Rigoletto» hindurch: Eine Bühne, die es mit Ligeti, Kagel und Penderecki, mit dem Strauss der «Elektra», jüngst einem hochrespektablen «Lohengrin»und zum wiederholten Mal dem kompletten «Ring»aufnimmt – diese Bühne erlebt beim mittleren Verdi ein Problem nach dem anderen. Vor allem staunt man, wie schwer diese...
Christian Jost zählt zu den erfolgreichsten deutschen Opernkomponisten seiner Generation. Zuletzt war er mit «Die arabische Nacht» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Roland Schimmelpfennig im Gespräch. Der 48-Jährige setzt sich erfrischend von seinen Altersgenossen ab, indem er sich auf aktuelle Literatur stützt, statt sein Heil in den Tiefen der antiken...
