Leiden, hoffen, sehnen
Kein «Städtchen Kalinow am Ufer der Wolga», sondern ein unfertiger Hausklotz, von knöcheltiefem Wasser umgeben (aha, der Strom), auf der einen Seite Fensterlöcher, die auf Pleite während des Rohbaus schließen lassen, auf der anderen ein Laboratorium. Weißkittel allenthalben, hier hat die Kabanicha das Sagen. Erdbebenforschung, lesen wir im Programmbuch. Wir dachten: Da werden wesensverändernde Tinkturen erklügelt. Mit einer solchen macht die Titelheldin, statt in den Fluss zu gehen, denn auch ihrem Leben ein Ende.
Und mittendrin praktizieren die beiden (gar nicht so) Alten – ein ultrakurzer Hauch von Komik – in einem Kessel so etwas wie Liebe am Arbeitsplatz. Die Rede ist von Armin Petras’ Inszenierung der «Katja Kabanova», seiner ersten Berührung mit der Oper.
Keine «einsame Mühle im Gebirge», sondern ein weiträumiges Wohnzimmer in neuzeitlichem Design, lindgrüne Tapete, weiße Sitzgruppe, seitlich ein großes Fenster in die Winterkälte, oben das Schlafzimmer der Titelheldin, darüber der Dachboden. Hier residiert keine Armut. Die Buryjas haben Geld, Stewa, ein rechter Turnschuh-Stenz mit Neigung zu den Weibern und zum Trunk, wirft mit Scheinen um sich. Die Rede ist von Dmitri ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Heinz W. Koch
Erinnert sich noch jemand? Als im April 2007 die ersten Bautrupps anrückten, um auf dem Dach eines alten Hafenspeichers die neue Elbphilharmonie zu errichten, war Hamburgs Bürgerschaft mächtig stolz. Die von den Schweizer Stararchitekten Herzog & de Meuron entworfene Glaswelle auf historischem Ziegelsockel sollte für Weltgeltung sorgen, vergleichbar dem Opernhaus...
«I due Foscari» ist, obgleich relativ selten aufgeführt, ein Verdi-Werk von Gewicht, und das aus mehreren Gründen: Unter anderem lotet der Komponist hier erstmals die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen aus; zum anderen gehört die Oper – wie auch Lord Byrons Drama, auf dem sie basiert – zu den ersten Kunstwerken überhaupt, die das populäre Bild Venedigs als Ort...
Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mischen gern Klassiker mit Raritäten. In diesem Sommer gab es Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» als Repertoire-Kernstück – und dazu «La Stellidaura vendicante» des weitgehend vergessenen Komponisten Francesco Provenzale (1624-1704).
Provenzale? Schrieb der nicht Kirchenmusik? Ja, aber auch die kennt kaum...
