Glamour à la Hollywood
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser Außenseiter mit den richtigen Karten beim Glücksspiel in die Hautevolée einkaufen zu können und so an seine ferne Geliebte aus jenen Kreisen heranzukommen.
Der Hermann in der Neuinzenierung von Peter Tschaikowskys «Pique Dame» an der Düsseldorfer Oper am Rhein ist ein zerwühlter Künstlertyp vom Schlage eines E.T.A. Hoffmann. Beeindruckt und doch angewidert von der ihn umgebenden feinen Gesellschaft, auf der Suche nach wahren Gefühlen säuft und spielt er sich ins Delirium.
Regisseurin Lydia Steier beschwört mit einem grellen Mummenschanz – Dienstmädchen in Bunnykostümen, Gesellschaftshaie in Galagewandung und Kinder in Cowboytracht nach Westernmanier – das gute alte Hollywood. Das passt (wenngleich es manchmal ein bisschen albern wirkt), steht doch das amerikanische Glitzerfilmland der Dekadenz im Milieu der reichen Oberschicht ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Josef Oehrlein
Opernwelt-Dialoge
Der Kanon der aufgeführten Werke ist allzu überschaubar. Wie könnte ein Spielplan aussehen, der ein weiteres Spannungsfeld öffnet? In Weimar diskutierten darüber die Regisseurin Lydia Steier, der Komponist Moritz Eggert, der Kulturmanager Helmut Seemann und Hans-Georg Wegner, Operndirektor des DNT
Jan Vandenhouwe
Er ist Musikwissenschaftler,...
Das Auge muss sich erst einmal zurechtfinden auf Dorota Karolczaks üppig möblierter Bühne im noch schummrigen Licht der Ouvertüre von «Rodrigo», der diesjährigen Neuproduktion der Göttinger Händel-Festspiele. Denn der einst elegante Salon mit Hinterzimmern ist arg heruntergekommen. Der Putz bröckelt, großflächig breitet sich Schimmel aus, Löcher in der Decke und...
Der Nachruhm des Komponisten Nicola Vaccaj (1790-1848) beschränkt sich im Wesentlichen auf seine noch heute gelegentlich verwendete Gesangsschule («Metodo pratico di canto italiano per camera»), doch vergebens sucht man in aktuellen Opernführern nähere Informationen zu einem seiner 17 Bühnenwerke. Das gilt selbst für «Giulietta e Romeo» (Mailand, 1825), ein...
