Ströme des Bewusstseins
Bekanntlich leidet die Neue Musik darunter, wenn sie von Interpreten, die in der klassischen Vokalmusik nicht reüssieren konnten, als Refugium aufgesucht wird. Ohne das «über die Wiedergabe hinausgehende, selbstständige Moment der vokalen Sprache beim Interpreten ist gerade die Objektivität des Werkes nicht zu realisieren». Bestätigt wird diese Überlegung Adornos (in: «Zu einer Theorie der Musikalischen Interpretation») durch Christian Gerhahers Aufnahme von Schönbergs «Buch von den hängenden Gärten» und Bergs Altenberg-Liedern.
Es war eine sinnreiche Idee der Interpreten, die beiden wegweisenden Zyklen der Zweiten Wiener Schule mit einem Schlüsselwerk der Ersten Wiener Schule kontrastierend zu verbinden: mit Beethovens Zyklus «An die ferne Geliebte», dem ersten richtigen Liederkreis. Die entscheidenden Wechsel und Übergänge von Tonarten und Tempo, durch welche die Lieder zyklisch gebunden werden, sind den Händen des Pianisten anvertraut – an keiner Stelle so eindringlich wie beim Übergang vom dritten Lied («Leichte Segler») in das vierte («Diese Wolken»). Unter einer gehaltenen Note des Sängers – auf dem Wort «Zahl» – gilt es für den Pianisten, ein neues Tempo zu setzen. Christian ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 24
von Jürgen Kesting
Frau Breedt, in Bayreuth debütieren Sie in einem kontrovers diskutierten «Tannhäuser». Hat der Regisseur Sie überzeugt?
Ich fühle mich, da ich in einer bestehenden Inszenierung debütiere, wie in einem «Tannhäuser»-Schnellkochtopf. Regisseur Sebastian Baumgarten hat auf jede Frage eine nachvollziehbare Antwort. Seine Arbeit zu bewerten, ist nicht meine Aufgabe. Ich...
«Erich, nix baden – komponieren!», so sprach (laut Überlieferung durch Karl Böhm) einst während eines Urlaubsaufenthaltes am Wörthersee der gestrenge Wiener Musikkritiker Julius Korngold zu seinem noch unmündigen Sohn Erich Wolfgang. Das Resultat war die Renaissance-Tragödie «Violanta» – nach der Konversationskomödie «Der Ring des Polykrates» bereits die zweite...
Schwarz ist Achim Freyers Welttheaterbühne, und schwarz sind die allegorischen Menschenwesen, die er im Schiller Theater, dem Ausweichquartier der Berliner Staatsoper, versammelt hat. Lebende Schachfiguren, die auf schräger Ebene Schicksal spielen. Es geht, wie (fast) immer bei diesem Kunstpriester mit der staunenden Kinderseele, um letzte Dinge: Himmel und Hölle,...
