Der Kaiser ist (fast) nackt
Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft als etwa «L’Orfeo».
Und angesichts der Inszenierung von Robert Carsen muss man zweierlei fragen: Hat Claudio Monteverdi sich die Figuren so plan vorgestellt, wie die Regie es suggeriert? Gibt es in der «Poppea» tatsächlich so wenig wirklich lohnende Musik, wie Emmanuelle Haïm mit ihrem schneidigen, zugleich erdenschwer-majestätischen Händel-Dirigat am Pult des Orchestra of the Age of Enlightenment zu behaupten scheint?
Alice Coote jedenfalls bietet als Nero ihre ganze dramatische Kraft und ihr gesamtes vokales Feingefühl auf, um diesem Eindruck zu widersprechen. Ihr Porträt des Kaisers als junger Gangster im Armani-Outfit gerät durch und durch überzeugend. Für die vielen Bettszenen, die Carsens Regie vorsieht, hat Kostümbildnerin Constance Hoffman die Sängerin in Shorts und Schlafhemd gesteckt. Wir sehen einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die alte Dame sitzt mit größter Disziplin in ihrer Loge. Fast jeden Abend. Rosenwangig, mit großen Augen und alterslosem Kindergesicht verfolgt sie, was sich unter ihrer Schirmherrschaft an neuen Stimmen unten auf dem Podium tummelt. Sogar bei der ersten Runde, als aus fast zweihundert Kandidaten per DVD ausgewählt wurde, wer überhaupt zu Brüssels großem...
Kein New York-Besuch ist wirklich gelungen ohne einen Abend im Lincoln Center. Seit seiner Eröffnung vor fünfzig Jahren gilt es als das amerikanische Zentrum für Musik, Oper, Schauspiel und Tanz. Insgesamt zwölf Organisationen (von der Juilliard School bis zur Metropolitan Opera, dem New York City Ballet über die New York Philharmonic bis zur School of American...
Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
