«Ausstattungstück mit allerhand Musik»
Es gibt wohl keinen zweiten Komponisten der neueren Musikgeschichte, der so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wird wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die ambitionierten «Königskinder» konnten an diesen Erfolg auch nicht annähernd anknüpfen. Und dass Humperdinck daneben noch weitere Märchenstoffe wie «Schneewittchen», «Die sieben Geislein» oder «Dornröschen» vertont hat, ist gänzlich unbekannt. Freilich konnten sie alle nicht mit dem Knusperhexenstoff konkurrieren.
Das trifft auch für das 1902 uraufgeführte «Dornröschen» zu, von dem der Komponist entschuldigend meinte, es handele sich um ein «Ausstattungsstück mit allerhand Musik».
Das Kinder- und Jugendtheater der Städtischen Bühnen Münster hat die Märchenoper jetzt dem Archivstaub entrissen und in einer eigenen Fassung im Kleinen Haus präsentiert (Premiere 3. März 2007). Regisseurin Edda Klepp und Dramaturgin Christina Lahmann haben dem originalen Textbuch mit den hausbackenen Reimereien von Humperdincks Librettistin Elisabeth Ebeling-Filhès nicht recht getraut und darum die symbolisch aufgeputzte Handlung gestrafft, die szenisch aufwendigen Tableaus gestrichen, die ...
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