Junge Oper, ganz neu

«In vielen Opernhäusern ist die Kinder- und Jugendarbeit heute die kreativste Abteilung», hieß es vor zwei Jahren an dieser Stelle. In den Ausgaben 12/2006 und 1/2007 nahmen wir verschiedene musikpädagogische Strategien und Medienangebote unter die Lupe, die den Nachwuchs für das Musik­theater zu begeistern suchen. In diesem Heft werfen wir nun einen Blick auf die konkrete Bühnenpraxis: Wie steht es um Neues Musiktheater für Kinder? Wie reagiert ein junges Publikum auf neue Stücke und neue Töne? Die folgenden Seiten bieten eine tour d’horizon durch sieben Städte in vier Ländern. Ob intimes Kammerspiel oder üppig besetzte Oper, ob schräge Klänge oder flotte Melodien – die Nachfrage ist groß: Fast immer sind die Vorstellungen ausverkauft. Was nichts daran ändert, dass auch für die Jüngsten mit Wasser gekocht wird. Und das Menü mitunter glatt an ihren Vorlieben vorbei geht.

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Mike Svobodas «Der unglaubliche Spotz» in Freiburg

«Gleich beginnt die Oper. Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein», flüstert es durch die Lautsprecher im Werkraum des Freiburger Theaters. Einige Grundschulklassen sind an diesem Morgen mit ihren Lehrern zur Aufführung von Mike Svobodas Kinderoper «Der unglaubliche Spotz» gekommen – und vieles ist anders als sonst im Kinder­theater. Rote Sitzkissen liegen direkt vor der Bühne. Man kann es sich ge­mütlich machen; und ist trotzdem ganz nah dabei.

Es gibt etwas zu sehen: ­einen Kronleuchter auf dem Boden, ­einen roten Teppich und einen Wattehaufen. Vor allem aber gibt es etwas zu hören. «Der unglaubliche Spotz» nach dem Libretto von Manfred Weiß ist eine Oper über Musik. Über den Kapellmeister Bartolomäus Brummhold (Ricardo Frenzel), der nicht komponieren darf; über die Prinzessin Asta Basta (Odilia Vandercruysse), die nichts in der Welt mehr liebt als Melodien. Über den hellhörigen König Astus Bastus (Neal Schwantes), der überhaupt keine Musik mehr verträgt. Und über den Erfinder Albert Einstein (Sang-Hee Kim), der am Ende die Lösung bringen soll.
«Der unglaubliche Spotz» ist die ers­te Produktion des neu gegründeten Stuttgarter Vereins ...

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Opernwelt März 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Claus Ambrosius, Gerhard Persché, Anne Richter, Georg Rudiger, Tom Sutcliffe

Vergriffen
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Rettungslos verloren

Der junge Adorno war begeis­tert. «Die Stadt Mahagonny», schrieb er 1930 über das neue Gemeinschaftsopus von Brecht und Weill, «ist eine Darstellung der sozialen Welt, in der wir leben, entworfen aus der Vogelperspektive einer real befreiten ­Gesellschaft.» Damals lag der Skandalrauch, den deutschnationale Bedenkenträger rund um die Leipziger Uraufführung des...

Konstruierte Dramatik

«Wir lieben und ehren dich als den jüngeren, aber großen Bruder von Bruckner und Mahler», rief der junge Henze dem früh Verstorbenen 1963 liebevoll-ironisch nach. Karl Amadeus Hartmann, in bitterer «innerer Emigration» in Nazi-Deutschland verblieben, war nach Kriegsende ein nicht wegzudenkender Teil des jungen bundesdeutschen Musiklebens – als Lehrer, als Freund,...

Kaltes Licht

Die Masken sind ab. Frontal zum Publikum sitzen in der Schluss­szene nebeneinander: Riccardo und Amelia, Renato und seine beiden Mitverschwörer Tom und Samuel. So lange, bis die Waffe, die im Zeitlupentempo von Hand zu Hand gewandert ist, endlich ihren Zweck erfüllt hat und das eingetreten ist, was alle hilflos erwartet haben. Kein Attentat im eigentlichen Sinne...