Frühling, Winter, Sommer

Auch wenn Anna Netrebko die Festspieldramaturgie aufmischt:Philipp Himmelmann und Thomas Hengelbrock bringen in Baden-Baden einen mitreißenden «Don Giovanni» heraus

Opernwelt - Logo

Wie war das noch mal in Philipp Himmelmanns Baden-Badener «Così fan tutte»-Inszenierung? Da stand Despina in der ersten Szene unter einem blühenden Baum – und pflückte einen Apfel. Mitten im Frühling lockten Versuchung und Erkenntnis zugleich – und gerade dort verortete der Regisseur die letzte der drei Da-Ponte-Opern. Der kleine Zyklus sollte folgerichtig im Sommer fortgesetzt werden. Dem hatte Himmelmann «Le nozze di Figaro» zugedacht. Auf das jugendlich-pubertäre Spiel mit der Liebe sollte das noch zynischere des verheirateten Grafen folgen. Ein Ansatz.

Doch jetzt kommt die Primadonna assoluta ins Spiel. Und die verlangte eine andere Dramaturgie. Denn Anna Netrebko wollte sich mit der Partie der Gräfin nicht so recht anfreunden. So musste es zu den Pfingstfestspielen 2013 «Don Giovanni» sein, womit Himmelmanns Kreislauf der Jahreszeiten unterbrochen war.

Sieht man einmal davon ab, dass Star-Sänger im 18. und 19. Jahrhundert in ganz anderer Weise Macht über Komponisten hatten, worauf diese oft ganz pragmatisch reagierten, was das Beispiel der Prager und Wiener Fassung des «Don Giovanni» mit den veränderten Tenorarien zeigt, so bleibt unterm Strich doch eine andere Erkenntnis: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Armer Weill

Mit einem implantierbaren Biochip, der Internetdaten direkt im menschlichen Gehirn speichert, will der Konzern G & B Milliarden machen. It’s a brave new world, baby. Franz Koglmann (Musik) und Alfred Zellinger (Text) wollen mit ihrer Oper «Join!», uraufgeführt Anfang Mai bei den Wiener Festwochen, George Orwell und Aldous Huxley beschwören. Vergebens. Mit seiner...

Kampf der Primadonnen

Der Cembalist, ehemalige Chorknabe und Dirigent Laurence Cummings steht für jenen Typus des positiv denkenden, quirligen, kontaktfreudigen, global agierenden englischen Musikers, der nicht vergrübelt, politisch oder ideologisch an Musik ­herangeht, sondern Spaß haben und bereiten will, die Menschen mit der Lässigkeit des Könners im Sturm erobert und gegenwärtig...

Leichen im Keller

 Puccinis Triptychon aus «Il tabar­ro», «Suor Angelica» und «Gian­ni Schicchi» ist kein «Ring des Nibelungen» mit eng verklammerten musikalischen Strukturen und dramaturgisch einheit­lichem, weltdeutendem Zugriff. Musikforscher und Regisseure tun sich deshalb schwer, die unterschiedlichen Einakter überhaupt als drei Flügel ­eines Bildes zu begreifen – zumal auch...