Wie meinen?

Bartók: Herzog Blaubarts Burg/Der wunderbare Mandarin
Brüssel | La Monnaie

Opernwelt - Logo

Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La Monnaie, hatte der belgische Allround-Künstler Christophe Coppens im vergangenen Jahr eine clever-scharfsinnige Regiearbeit abgeliefert.

Man durfte also gespannt sein, ob es ihm am selben Ort gelingen würde, Bartóks geheimnisvolle Fabel ähnlich tiefblickend in Szene zu setzen.

Die Antwort lautet: Nein. Coppens und sein Team haben «Blaubart» mit Bartóks einaktiger Tanzpantomime «Der wunderbare Mandarin» zu einem Doppel zusammengespannt – zwei Werke, die zutiefst problematische Frauenbilder vermitteln. Es hätte also ein aufschlussreicher Abend werden können. Stattdessen kreiert Coppens psychedelisches Musiktheater, das zwar visuell überwältigt, jedoch keinen überzeugenden Standpunkt erkennen lässt. Blaubarts Burg ist ein Wunderwerk aus bunt strahlendem Lichterglanz, aus neun Kristallwürfeln montiert, die durch transparente ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Shirley Apthorp

Weitere Beiträge
Sul fiato

In Strauss’ «Capriccio» 2016 am Theater an der Wien überzeugte uns Maria Bengtsson als Gräfin mit ihrem vorbildlich auf dem Atem phrasierten, nicht durch vermeintlich Strauss-typische, sentimentale Verschleifer entstellten Finale. Auch die Figur, die die Regie ihr abverlangte, war ungewöhnlich: mit ihren langen blonden Haaren schien sie weniger Aristokratin als...

Ungeschminkt

Ferruccio Busonis 1925 uraufgeführter «Doktor Faust» gehört zu den großen Bekenntniswerken des Musiktheaters aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bekenntnisse sind bekanntlich von theatralisch sprödem Stoff und haben es entsprechend schwer auf der Bühne, sodass dieses faszinierend-problematische Stück, das Busoni über ein Jahrzehnt beschäftigte und dennoch...

Hochamt des Nihilismus

Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der...