Bellini: Norma

St. Gallen

Opernwelt - Logo

Bellinis «Norma» steht und fällt mit den beiden Frauenstimmen. Ob die beiden jungen russischen Sängerinnen Mlada Khudoley (Norma) und Ekaterina Gubanova (Adalgisa) sich in Partien, die geradezu als Inbegriff des Bellini’schen Belcanto gelten, die hochgesteckten Erwartungen erfüllen konnten? Und wie sie es taten! Insbesondere Khudoley überrascht mit ihrem breiten Spektrum an Partien und Stilwechseln immer mehr. Feierte sie doch in erster Linie als Salome, Abigaille, Walküre und – kürzlich an der Met – als Sieglinde große Erfolge.

Nun demonstrierte sie feinste Wendungen, Bellini’sche Abstufungen und fantasiereich variierte Koloraturen. Dass in St. Gallen die Regie praktisch ausgeblendet blieb und Solisten wie Chöre Konzertauftritte an der Rampe absolvierten, dürfte der Sängerin, die überdies im siebten Monat schwanger ist, gerade recht gewesen sein. Die Mezzosopranis­tin Gubanova, die in Paris als Emilia und Brangäne reüssierte und in diesem Jahr bei den Salzburger Festspielen debütieren wird, stand ihrer Partnerin in nichts nach. Niemand dürfte daran erinnert worden sein, dass Bellini mit der Rolle der Adalgisa eigentlich eine zweite Sopranpartie geschrieben hat. Die Duette von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 54
von Hanspeter Renggli

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Raubtierkäfig der Gesellschaft

Die eigentliche Überraschung des Werkes ist sein Lib­retto: ein seit mehr als vierzig Jahren unaufgeführt gebliebenes Stück von Peter Weiss. Dieses «Inferno» war von ihm geplant als Teil einer Trilogie nach Dantes «Divina Commedia», deren Abschluss die bereits 1965 uraufgeführte «Ermittlung» bilden sollte, ein seinerzeit viel gespieltes Paradigma-Stück des...

Die Macht des Schicksals

Hochdramatische leben gefährlich. Diese Erfahrung hat Ute Vinzing Anfang der siebziger Jahre bei einem Gastspiel als Senta in Düsseldorf machen müssen. Nachdem der Sänger des Holländers nach seinen Schlussworten in die Unterbühne abgefahren worden war, sollte Senta bei ihrem Todessprung denselben Weg nehmen – aber irgendetwas in der Technik klemmte: Die...

Honegger: Johanna auf dem Scheiterhaufen

«Johanna auf dem Scheiterhaufen», das Oratorium des katholischen Mystikers Paul Claudel, dem der Kalvinist Arthur Honegger eine musikalische Dimension hinzufügte, die er selbst nur als Dienerin der Poesie verstanden wissen wollte, ist immer wieder auch auf der Opernbühne zu sehen. Die lockere, fast filmische Szenenfolge und das vielfältige Personal reizen...