Haus im Kopf
Nichts von Natur. Keine neblige Ahnung des Unheimlichen. Die Basler «Wozzeck»-Bühne von Silvia Merlo und Ulf Stengl ist ein klinisch weißes Gebäude, über Eck positioniert, das eine geschlossene Anstalt sein könnte. Stahltreppen, blinde Fenster, keine Tür, kein Ein und Aus, kein Entkommen. Die – hinzuzudenkenden – Räume: keine eindeutigen Hinweise, keine Auskunft, wer wo wohnt. Klar einzig: die Praxis des Experiment-besoffenen Arztes – erster Stock rechts, Wartezimmer auf dem Flur, Frauen im Unterzeug, eine Schwangere.
Ein modern anmutendes Gefängnis, viel Glas, von fern Bauhaus-verwandt. Elmar Goerden hat – nach seinem gelungenen «Figaro» am selben Ort – in diesem Ambiente Alban Bergs Büchner-Oper inszeniert.
Bisweilen legt sich, fahl, matt, das Video eines riesigen Antlitzes darüber: Wozzeck wohl, in dessen Kopf sich das Drama zusammenbraut – sein zweites Gesicht, sein galoppierender Wahn, der die zweite Wirtshausszene nur noch wie einen milchig-verschwommenen Film wahrnimmt, der mit Andres in der einzigen tiefgrünen Parzelle der ausweglosen Architektur keine Stecken schneidet, sondern den Kumpel beim Schrubben antrifft. Kein Teich auch am Ende. Stattdessen: eine Badewanne, in der ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Heinz W. Koch
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«Glaubensbekenntnisse im 21. Jahrhundert» nennt die Berliner Off-Theatertruppe Nico and the Navigators ihre neue, vom Kunstfest Weimar in Auftrag gegebene Kreation – ein «Oratorium als Bildertheater» nach Gioachino Rossinis «Petite Messe solennelle». Die Mixtur aus Gesang, Schauspiel, Tanz, Slapstick und Tragikomödiantik kann selbst ein lateinisch-katholisches...
Der Herr möge ihn, so klagte Fritz Kortner, vor Regisseuren mit Einfällen verschonen. Bei Mozarts «Don Giovanni», der ersten Premiere der neuen Spielzeit an der Hamburgischen Staatsoper, hat Doris Dörrie das Publikum mit Einfällen – gewiss mehr als mille e tre – nicht verschont und dazu mit pseudo-tiefsinnigen Überlegungen konfrontiert, die letztlich uralt sind:...
