Schwache Übersetzung? Niemalen!

Weit gefehlt: In zwei Ausnahmefällen wird (fast) immer zu einer fragwürdigen fremdsprachigen Version gegriffen – zum Schaden der Kompositionen

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In Bayreuth wird 2018 «Tristan und Isolde» zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten wieder auf Deutsch gesungen. Das können Sie nicht glauben? Sollen Sie auch nicht – für einmal wirklich «fake news»! Frei erfunden, um die Absurdität einer ganz und gar nicht erfundenen Nachricht zu verdeutlichen: Die Pariser Opéra bringt im Oktober 2017 «Don Carlos» erstmals nach 31 Jahren wieder auf Französisch.

Warum das absurd ist? Weil Verdi diese Oper in französischer Sprache komponiert hat.

Doch kam nicht 1884 in Mailand eine grundlegend überarbeitete italienische Fassung als «Don Carlo» heraus? Ja, aber als Übersetzung einer französischen Partitur. Obwohl sich nicht einmal am fernsten Horizont die Möglichkeit einer französischsprachigen Aufführung abzeichnete, hatte sich Verdi aus Paris neue Verse senden lassen. Der in französischer Sprache komponierten Musik wurde erst für die Aufführung eine italienische Übersetzung unterlegt – mehr schlecht als recht und ganz gewiss nicht (wie immer wieder zu lesen) von Antonio Ghislanzoni.

Dennoch wird «Don Carlos» landauf, landab auf Italienisch gegeben, in Paris wieder 2019 – sozusagen als beflissene Korrektur der Ausnahme von der Regel. Das hat einen ...

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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 79
von Anselm Gerhard

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