Reisebilder
Der Himmel von Wolken grau verhangen. Der steife Wind jagt die Regenböen über die Förde: ein – fast möchte man sagen typisches – Mai-Wochenende in Kiel. Man kann den Seeleuten nachempfinden, dass es sie bei solchem Wetter in die Ferne zog, und man ist dem Opernhaus dankbar, dass es einlädt zu einem Ausflug ins sonnige Arabien. Mit einer Trouvaille obendrein.
Der früh verstorbene französische Komponist Gabriel Dupont (1878-1914) hat mit seiner 1921 in Paris posthum aus der Taufe gehobenen und dann bis auf einige wenige Aufführungen vergessenen Großen Oper «Antar» ein orientalisches Sujet aufgegriffen, das den gleichnamigen beduinischen Hirten und Dichter aus dem 6. nachchristlichen Jahrhundert in den Mittelpunkt stellt und ihn zum Volkshelden und Glaubenskämpfer verklärt. Intrigen und eine zarte Liebesgeschichte würzen die Handlung, die mit dem gewaltsamen Tode Antars und einem Freiheitshymnus auf ein vereinigtes Arabien endet. Insgesamt eine Spätblüte der Grand Opéra, ein üppiger Klangrausch mit Schlachtenmusiken und Siegeschören, Liebesduetten und Verschwörerdramatik, pentatonisch eingefärbter Folklore und farbenreichen, zwischen Debussy-Impressionismus und der Pathetik des ...
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Ein Mann kehrt heim. Er ahnt, dass er getötet werden wird, und er wird getötet. So hat T. S. Eliot selbst den Inhalt seines Stücks «Murder in the Cathedral» zusammengefasst. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis von dessen anti-dramatischer Natur. Angesichts der bösen Händel weltlicher Mächte muss der wahrhaft Gläubige (sei es die fromme griechische...
Man hat den Roman «Franziska Linkerhand» der Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973), eine große autobiografische Erzählung der DDR, mit der «Blechtrommel» von Günter Grass verglichen. Hier der vitale, drastisch eigenwillige Zeitspiegel von Krieg und junger Bundesrepublik aus dem Blickwinkel Danzigs, dort die exemplarische Geschichte einer jungen Architektin...
Wenn der liebeshungrige und von der Liebe arg enttäuschte Orlando buchstäblich wahnsinnig wird, sieht er eine Hydra vor sich. Da sind René Jacobs und das Freiburger Barockorchester in ihrem Element. Gift und Galle toben aus dem Orchestergraben, und die Hydra steht im Raum wie eine Klangskulptur. Auch sonst hören wir Accompagnato-Rezitative als Klangrede im...
