Horror vacui
Der 1713 während Händels erstem Londoner Aufenthalt entstandene «Teseo» ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmewerk, weil er stofflich wie formal auf eine französische tragédie lyrique, Lullys «Thesée» aus dem Jahr 1675, zurückgeht. Im Endeffekt hat Händel dann doch eine italienische Opera seria komponiert, die Form aber durch dramatische Accompagnati, Duette, kürzere Arien und einen farbigen Orchestersatz aufgemischt, was entschieden zur musikalischen Verlebendigung beiträgt.
Igor Bauersima hat sich in Stuttgart redlich bemüht, Logik in das politisch-amouröse Ränkespiel um den athenischen Staatsgründer Theseus und die Zauberin Medea zu bringen, ohne freilich das Hin und Her der Intrigen verständlich zu machen, gar den nur durch ihre Designerklamotten konturierten, ansonsten aber blässlich geführten Figuren Profil zu geben. Spannend wurde das ganz an die Rampe vorgezogene Spiel immer nur dann, wenn Medea auf der Szene stand. Helene Schneiderman, seit 25 Jahren Stuttgarter Ensemblemitglied und in den letzten Spielzeiten von der Intendanz arg vernachlässigt, gab die rachsüchtige Bruder- und Kindermörderin, die am Ende an ihren eigenen Künsten zugrunde geht, mit giftiger Eleganz und einem ...
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Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles...
Herr Steffens, warum wollen Musiker Dirigent werden?
Das Angebot an großen Dirigenten ist dünner geworden. Das werden sicher alle Kollegen so bestätigen. Natürlich gibt es auch jetzt noch wunderbare Künstler. Doch wenn ich bedenke, wen ich erlebt habe, als ich 1989 beim Symphonieorchester des BR anfing: Rafael Kubelik, Carlo Maria Giulini, Leonard Bernstein, Carlos...
Wolfgang Rihm griff bei seinen Opernstoffen seit jeher zu großer Literatur – Georg Büchner («Jakob Lenz»), Heiner Müller («Hamletmaschine»), Sophokles/Hölderlin («Oedipus») und Antonin Artaud («Die Eroberung von Mexiko») dienten als Textlieferanten. Im kommenden September fasst das Theater Basel drei seiner kürzeren Arbeiten – «Aria/ Ariadne» (nach Nietzsche), «Das...
