Materialschlacht
Musiktheater und Politik – ein großes Thema auf weitem Handlungsfeld, von Monteverdi und Händel bis Nono und Rihm. Das politische und soziale Engagement des deutschen Komponisten Hans Werner Henze entlud sich in «Handlungen für Musik», wie er sein Antikriegsdrama «We come to the River» auf ein Libretto des englischen Dramatikers Edward Bond nannte. Uraufgeführt 1976 in London, ist das schwierige Stück selten auf Opernbühnen zu erleben. Umso mutiger die Idee der Dresdner Opernintendantin Ulrike Hessler, es erneut zu prüfen.
Aber sie starb im vergangenen Sommer, die Aufführung in Anwesenheit des gefeierten Komponisten wurde zum Requiem.
Wie Luigi Nono war der Wahlitaliener Henze, Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens, nach Kuba gereist, hatte in den Freiheitsbewegungen Lateinamerikas das ethisch und ästhetisch Parabelhafte gesucht. Die Musik dieser Jahre offenbart eine klangliche Drastik, eine aufgewühlte Affektsprache, die im Deutschland der Studentenproteste und Terroranschläge stark beachtet wurde, Beifall oder Anstoß erregte. «Wir erreichen den Fluss» ist das Hauptwerk: Unrecht, Gewalt, Krieg, Tod und Leid werden zum massenspektakulären Musiktheater-Koloss geformt.
Wer die ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Wolfgang Schreiber
Multikulti war gestern. Ganztätige Performances, Sex auf der Bühne und der Berliner Tuntenball auch. Dennoch knüpft Barrie Kosky mit seinem gigantomanischen Monteverdi-Hattrick zum Auftakt seiner Ära an der Komischen Oper an alte Entgrenzungs- und Befreiungsrituale des Theaters an. Sie fordern vor allem eines: Sitzfleisch. Strammsitzen für eine neue Zeit.
Zwölf...
Seine Stimme war so schön – er war einer der besten Heldentenöre, die ich je gehört hatte.» So schreibt im Rückblick kein Geringerer als Georg Solti in seinen Erinnerungen über Ernst Kozub, den «herrlichen Wagner-Tenor aus Ostdeutschland», nicht wissend, dass Kozub aus Duisburg stammte (wie Rudolf Schock), im Zweiten Weltkrieg als Verwundeter nach Thüringen...
Bruno Berger-Gorskis Magdeburger «Don Carlo»-Inszenierung (Koproduktion mit Brünn) nimmt Posas Vorwurf, in Filippos Reich herrsche «la pace dei sepolchri» wörtlich. Bühnenbildner Daniel Dvorák verlegt das Stück in eine stilisierte gotische Kathedrale, in der Kaiser Karl V. als Event-Manager im Halloween-Kostüm Tote und Untote tanzen lässt. Der Infant im Laufgitter,...
