Editorial
«Heute findet jede Zeitung / größere Verbreitung durch Musikkritiker / Und so hab auch ich die Ehre / und mach jetzt Karriere als Musikkritiker», schnodderte Georg Kreisler in den Sechzigern mit herrlich gerolltem «rrr». Der Rezensent in seinem Song hat von Tuten und Blasen keine Ahnung, dafür rächt er sich an den Künstlern. Er hat mit dem Publikum rein gar nichts gemein und, vom Zuvielsehen zynisch geworden, noch am Allerschönsten was zu mäkeln.
Er hasst Musik! Und meint, dass ein saftiger Verriss der größte Spaß sei – wen kümmert’s da, ob die Niedergemachten sich eine Woche heulend verkriechen? Die Nummer wird bis heute gern zitiert. Weil Kreisler der Zunft und ihren Lesern so schön die Ohren langzieht.
Dass Rezensionen, Reportagen, Analysen zum Musikleben auf den Chefetagen der Tageszeitungen als unverzichtbar gelten, ist heute nicht mehr selbstverständlich. Seit Jahren schrumpft in den Redaktionen das Fachpersonal. Wie der Pharmazeut aus Kreislers bösem Lied die neue «Aida» im Stadttheater fand, steht ja sowieso in irgendeinem Blog. Karriere kann man mit fundierter Musikkritik kaum mehr machen. Was freilich nicht heißt, dass sie überflüssig geworden ist. Nur gut muss sie sein! ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Im Mai erlebte Lissabon ein längst überfälliges Revival: «Lindane e Dalmiro», eine tragikomische Oper von João Cordeiro da Silva, uraufgeführt 1789 zum Geburtstag von Königin Maria I. Für die Kammerproduktion hatte die Nationaloper trotz schmalen Budgets exzellente Sänger engagiert. Stück wie Komponist sind heute fast ganz in Vergessenheit greaten, doch an diesem...
Oper? Natürlich nicht oder doch nur ein wenig. Szenisches Konzert? Eine Spur auch davon. Themenabend mit Musik? Schon eher. Indes, «Musik- und Tanztheater» nennen der deutsche Schauspielregisseur Sebastian Nübling und der belgische Choreograf Ives Thuwis ihr nicht ganz zweistündiges Basler Programm.
Eine «Méditation sur ma mort future» kündigt die Leuchtschrift...
Als Arthur Miller 1953 sein Schauspiel «Hexenjagd» herausbrachte, schilderte er zwar einen Fall aus der amerikanischen Historie. Doch seine Zeitgenossen sahen sehr wohl die Parallelen zur Kommunistenhatz des Senators McCarthy. Die Jagd auf vermeintlich Abtrünnige und satanische Zerstörer des Guten scheint unausrottbar – nicht nur deshalb taucht das Stück regelmäßig...
