Heiterkeit aus Notwehr
Wie viel Antisemitismus steckt in den «Meistersingern»? Schwingen in der Figur Beckmessers die judenfeindlichen Reflexe Richard Wagners mit? War «die heil’ge deutsche Kunst», von Hans Sachs beschworen, als Kampfbegriff angelegt, oder wurde das Stück erst später nationalistisch vereinnahmt? Kann man, zumal nach dem Kniefall der Bayreuther Festspiele vor dem NS-Staat, diese Fragen auf der Bühne mit Humor, Ironie, den Mitteln der Groteske verhandeln, dass es eine heilsame Freude ist – zumal auf dem ideologisch kontaminierten Terrain des Grünen Hügels? Die Antwort: Man kann, wen
n man kann. Eine Laudatio auf die «Aufführung des Jahres»
Der Witz ist die letzte Waffe des Wehrlosen.
(Sigmund Freud)
Man schreibt das Jahr 1933. Parteigenosse Schulze begegnet auf der Straße seinem Bekannten Kohn und sagt provozierend «Heil Hitler!». Darauf Kohn: «Bin ich a Psychiater?»
Ein Aperçu mit double take, mit Zeitzünder, entnommen der legendären, jüdischen Witz in den Rahmen soziologischer Betrachtung stellenden Anthologie der Jaspers-Schülerin Salcia Landmann. Wobei Selbstironie, dialektische Akrobatik und Tiefenlotung diesen Humor entschieden von am Stammtisch gezündeten Lachraketen trennt. ...
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Opernwelt Jahrbuch 2018
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 24
von Gerhard Persché
Jeder große Künstler würde gern der letzte Mohikaner sein – oder der erste Mensch. Wir leben ja immer noch im Zeitalter des Originalgenies – auch, wenn dieser altehrwürdige Sturm und Drang-Begriff aus der Mode kam und längst durch neue, mit dem Zeitgeist von Copy & Paste kompatiblere Worte ersetzt worden ist, wie «Freak» oder «Ikone». Aribert Reimann ist weder das...
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner...
Die Ersten waren sie nicht an der Deutschen Oper Berlin. Das «Wunder der Heliane», Erich Wolfgang Korngolds lange geschmähtes opus maximum, wieder ganz groß herauszubringen – dieser Aufgabe hatte sich das kleine Pfalztheater in Kaiserslautern bereits 2010 gestellt. Auch der Opera Vlaanderen war das überbordende Werk unlängst einen szenischen Wiederbelebungsversuch...
