Das Innere verstehen
Frau Charbonnet, nachdem Richard Strauss im September 1908 die Partitur seiner «Elektra» abgeschlossen hatte, schrieb er einen Brief an den Dresdner Generalmusikdirektor Ernst von Schuch, in dem es heißt, der Schluss der Oper sei sehr saftig geraten und die Hauptrolle müsse nun auf jeden Fall von der «allerhochdramatischsten Sängerin» gegeben werden, über die Schuch verfüge. Trifft diese Strauss'sche Beschreibung auf Ihre Stimme zu?
Ich glaube schon, dass ich ein dramatischer Sopran bin. Und davon gibt es nicht gar so viele.
Für mich liegt das Ideal eines dramatischen Soprans darin, dass die Stimme eine Spannweite besitzt von sehr tief bis sehr hoch und dass diese Stimme in der Lage ist, den gleichen voluminösen Klang in allen Lagen beizubehalten. Ich glaube nicht, dass viele Frauen diese außergewöhnliche Form der Stimme haben. So weit dazu. Aber nun zu dem Brief, den Sie zitieren. Ich denke, Strauss meinte mit den Attributen «saftig» und «allerhochdramatischst» weniger den Sänger als vielmehr den Darsteller.
Darsteller und Sänger – ist das im Fall der «Elektra» ein wesentlicher Unterschied?
Elektra braucht beides. Darin liegt die Schwierigkeit der Partie.
Grenzt es nicht fast an ...
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