Das Innere verstehen

Aus ihrem Hang zu dramatischen Partien hat die amerikanische Sopranistin Jeanne-Michèle Charbonnet nie einen Hehl gemacht. Jürgen Otten hat die Sängerin nicht nur zu Strauss, sondern auch über ihr Heimatland und US-Präsident Geroge W. Bush befragt.

Opernwelt - Logo

Frau Charbonnet, nachdem Richard Strauss im September 1908 die Partitur seiner «Elektra» abgeschlossen hatte, schrieb er einen Brief an den Dresdner Generalmusikdirektor Ernst von Schuch, in dem es heißt, der Schluss der Oper sei sehr saftig geraten und die Hauptrolle müsse nun auf jeden Fall von der «allerhochdramatischsten Sängerin» gegeben werden, über die Schuch verfüge. Trifft diese Strauss'sche Beschreibung auf Ihre Stimme zu?
Ich glaube schon, dass ich ein drama­tischer Sopran bin. Und davon gibt es nicht gar so viele.

Für mich liegt das ­Ideal eines dramatischen Soprans darin, dass die Stimme eine Spannweite besitzt von sehr tief bis sehr hoch und dass diese Stimme in der Lage ist, den gleichen voluminösen Klang in allen Lagen beizubehalten. Ich glaube nicht, dass viele Frauen diese außergewöhnliche Form der Stimme haben. So weit dazu. Aber nun zu dem Brief, den Sie zitieren. Ich denke, Strauss meinte mit den Attributen «saftig» und «allerhochdramatischst» weniger den Sänger als vielmehr den Darsteller.

Darsteller und Sänger – ist das im Fall der «Elektra» ein wesentlicher Unterschied?

Elektra braucht beides. Darin liegt die Schwierigkeit der Partie.

Grenzt es nicht fast an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Interview, Seite 32
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der Ritter mit dem Dolch

Auch das ist die Zürcher Oper: vier Edeltenöre in vier Neuinszenierungen nacheinander – Jonas Kaufmann in den «Königskindern», Marcelo Alvarez im «Troubadour», Neil Shicoff in der «Jüdin» und zuletzt José Cura als «Le Cid» in Jules Massenets Grand Opéra, seinem 1885 schon anachronistischen Beitrag zur Gattung. Cura, dessen eigener Vater am Premierentag gestorben...

Die Unvergessliche

Zu Beginn eine persönliche Erinnerung. Es ist eine an den schöns­ten Bordell­besuch: eine Aufführung des «Rosenkavalier» in Wien anno 1961, mit Marianne Schech als Marschallin, Hilde Güden als Sophie und Christa Ludwig als Octavian. Noch heute spüre ich die erotischen Wonnen, die aus den ersten Phrasen des Octavian klangen: «Wie du warst.» Der Vergleich mit dem...

Direktvergleich

Auf intelligente Weise münzt Brüssels Oper derzeit den im Stagione-Prinzip unumgänglichen Zwang zu Doppelbesetzungen in künstlerischen Mehrwert um. Nachdem bereits die letzte Produktion, Massenets «Wer­ther», Gelegenheit zum Direktvergleich zwischen der üblichen Tenorfassung und der später vom Komponis­ten erstellten Baritonversion gab, wartet La Monnaie auch bei...