Sarastro ist der beste aller Khane
I. So einen Vogelmenschen haben sich Mozart und Schikaneder sicherlich auch in kühnen Träumen nicht vorgestellt. Papagenos Hut ist ein großer Adlerkopf mit Hakennase und glühend roten Augen. An den Seiten recken sich weiße Schwingen zum Himmel. Dieser Papageno tänzelt und turnt, als könne er jederzeit abheben vom schnöden Erdenboden und aufflattern zu den Vögeln. Mit denen versteht er sich sowieso viel besser als mit schwerfälligen Menschen, die Bilder besingen, Rache schwören und Rituale vollziehen. Sein Wams ist ausgestopft mit lila schimmernden Pfauenaugen.
An seinen Unterarmen klebt buschiges Gefieder. «Der Vogelfänger bin ich ja», trällert es aus ihm heraus – voluminös und rund und deutsch. Dann plötzlich sieht er eine rote Schärpe, ein grünes Gewand, ein Wesen mit Krummschuhen und riesigen Manschetten samt weißer Borte. Vor Tamino verschlägt es ihm erst einmal die Sprache. Und wenn er wieder sprudelt, dann tönt es ganz anders. Jetzt platziert er seine Konsonanten nicht mehr mit der Zungenspitze, sondern zieht sie blitzschnell aus dem Rachen hervor. Sein Atem zischt, und die Backen regulieren den Klang. Die Zungenwurzel hat viel zu tun. Mal klingt der Luftstrom zärtlich ...
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Die Bühne ist leer. Kein Thron, kein Schloss, kein Wald. Nur dieser große, dunkle Kasten, mit einem leeren Podest in der Mitte. Von der Seite fahren manchmal Paneele auf die Szene, geräuschlos, wie von Geisterhand geführt. Abstrakte Schutzschilder, hinter denen bald Macbeth und die Lady, bald Duncan, Banquo oder Macduff auftauchen und wieder verschwinden....
Es sollte der große Schlusspunkt der Intendanz Klaus Zeheleins werden. Aber wie im Falle der dem Streik im öffentlichen Dienst zum Opfer gefallenen szenischen Uraufführung von Gérard Pessons «Pastorale» (siehe OW 7/2006) lief auch die Premiere von Joseph Martin Kraus’ nachgelassener Oper «Aeneas in Karthago» szenisch auf Grund. Peter Konwitschny ließ die Arbeit in...
Nach dem großen Erfolg der Uraufführung von Axel Nowitz’ «Bestmannoper» (siehe OW 6/2006) machte das Theater Osnabrück mit Janáceks «Jenufa» ein zweites Mal mit Nachdruck darauf aufmerksam, welcher Stellenwert dem Musiktheater an diesem Haus unter der neuen Intendanz zukommt. Gegeben wurde die von allen Retuschen späterer Bearbeiter befreite Brünner...
