Theater der Stimmen
Für mehr als ein Jahrzehnt waren Wolfgang Windgassen und Birgit Nilsson als Tristan und Isolde in Bayreuth und anderswo das Traumpaar schlechthin. Zusammengeführt hatte sie Wolfgang Wagner für seine Neuinszenierung 1957. Windgassen war zu diesem Zeitpunkt schon eine Institution am Hügel, die Nilsson hatte dort bislang erst die Elsa gesungen. Sie lösten hier Ramon Vinay und Martha Mödl (respektive Astrid Varnay) ab, die in Wieland Wagners früherer Produktion beeindruckt hatten.
An die Stelle von Karajan und Eugen Jochum trat auf Wunsch Wolfgangs der erst 33-jährige Wolfgang Sawallisch, dem im ersten Jahr von einem Teil der Kritik Wagner-Kompetenz abgesprochen und der dann 1958 mit Elogen überschüttet wurde.
Wolfgang Wagner verstand «Tristan» als ein «Kammerspiel ohne Pathos». Inwieweit seine Inszenierung diesen Anspruch einlöste, lässt sich heute nicht mehr nachprüfen, doch dass die musikalische Realisierung dieser Konzeption entsprach, macht der von Orfeo erstmals veröffentlichte Mitschnitt deutlich (die Fassung von 1957 war vorher in einer inoffiziellen Pressung in der Reihe Golden Melodram auf dem Markt). Sawallisch verliert sich nicht im Klangrausch, setzt ganz auf klare ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Wir befinden uns im Jahr 2018 nach Christus. Fast alle erfolgreichen Opern des 20. Jahrhunderts wurden ausgegraben und aufgeführt, selbst die mittelmäßig erfolgreichen. Ein unbeugsames Werk aber schlummerte bis dato unberührt in den Archiven. Doch nun, nach einer konzertanten Aufführung kürzlich in Berlin, hat die Oper Bonn Hermann Wolfgang von Waltershausens...
Je unpoetischer eine Nation oder Zeit ist, desto leichter sieht sie Scherz für Satire an, so wie sie umgekehrt die Satire mehr in Scherz verwandelt, je unsittlicher sie wird.» Jean Pauls Diktum aus seiner «Vorschule der Ästhetik» sollte allen Theatermachern zu denken geben, denen die Komödie und die Opera buffa am Herzen liegen. Nichts ist hier so, wie es zu sein...
Eigentlich sollte die «Kacke», wie eine Presseagentur mit Feinsinn anmerkte, im nächsten Jahr so richtig «am Dampfen» sein. Denn dann wollte der amerikanische Rauschebart und Universalkünstler Paul McCarthy, bekannt durch seine Kapitalismuskritik sowie unter anderem durch seine (kapitalistisch grundierten) Pimmel- und Fäkal-Exzesse, den hippen Schwerpunkt für die...
