Hinderliche Erinnerungen
Mit Tschaikowskys «Eugen Onegin» an Londons Royal Opera House hat der Däne Kaspar Holten, seit 2011 Operndirektor des Hauses, jetzt sein Regiedebüt in der britischen Musiktheaterszene gegeben: Die «lyrischen Szenen» waren ihm schon lange ein Anliegen, wie er oft betont hat. Die Erwartungen an diesen Theaterabend lagen entsprechend hoch – und wurden doch nur zum Teil erfüllt.
Vor allem die Feinzeichnung der Charaktere und das lebhafte Zusammenspiel der Darsteller weisen Holten als begabten und erfahrenen Regisseur aus.
Als problematisch erwies sich allerdings seine Entscheidung, dem Protagionistenpaar zwei Tänzer als jüngere Inkarnationen ihrer selbst an die Seite zu stellen. Zwar ist es an sich keine schlechte Idee, erlebte Erinnerung zu visualisieren; doch in der Praxis entpuppten sich die Doubles von Onegin und Tatjana eher als ablenkend und hinderlich für das Sängerpaar, das seine Doppelgänger kaum je aus den Augen lassen durfte. Schlimmer noch: Simon Keenlyside, einem Sängerdarsteller von beträchtlichem vokalem Format und physischer Statur, wird selbst in der Duell-Szene von seinem stummen Abbild die Show gestohlen: Den tödlichen Schuss auf Lenski gibt nämlich nicht etwa der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von George Hall
Die Geschichte der Lucrezia Borgia – emblematische Figur der Spätrenaissance, Papsttochter und (angebliche) Giftmischerin – ist eines der ungewöhnlichsten Opernsujets des 19. Jahrhunderts. Gaetano Donizetti hatte es 1833 einem brandneuen Schauerstück von Victor Hugo entnommen: ein Panorama aristokratischer Verderbtheit als Polemik gegen die Restauration nach dem...
Wir singen und wir spielen – soweit das möglich ist», kann man im Foyer des Karlsruher Staatstheaters lesen. Ein Warnstreik der Gewerkschaft Ver.di, der die Bühnenmitarbeiter des Hauses betraf, hatte die szenische Premiere der Händelfestspiele Karlsruhe kurzfristig undurchführbar gemacht. Am Ende wurde im vollbesetzten Opernhaus trotzdem gejubelt. Der Applaus galt...
Auf dieser Bühne sang 1957 Birgit Nilsson ihre erste Turandot: Ganz schön mutig von Nina Stemme, ihr Debüt als Eisprinzessin ausgerechnet hier zu geben. «Ich habe mir gesagt: Wenn ich scheitere, dann lieber zu Hause», lacht sie. Doch Nina Stemme scheitert nicht.
In einem surreal-schrägen Zimmer starrt ein Dandy mit schnittigem Schnauzbart gedankenverloren auf die...
