Jenseits von Verdi
Das seit 1975 im apulischen Martina Franca stattfindende Festival della Valle d’Itria, einst gegründet zur Pflege der süditalienischen Musikkultur, hat sich mittlerweile zu einem Eldorado belcantosüchtiger Opernschatzgräber entwickelt. Werke von Traetta, Paisiello, Pacini, Mercadante, Giordano und anderen, vorher selbst den Kennern nicht einmal dem Namen nach bekannt, wurden hier gleichsam aus der Versenkung geholt und via CD (und zuletzt auch DVD) durch das Label Dynamic weltweit in Umlauf gebracht.
Natürlich war nicht jede Ausgrabung zugleich eine Entdeckung, aber unter dem Strich ist die Bilanz erfolgreich.
Zu den Fundstücken würde ich «Pelagio» von Saverio Mercadante zählen. Die 1857 am Teatro San Carlo mit spektakulärem Erfolg uraufgeführte Oper geht auf ein historisches Ereignis zurück. Im 8. Jahrhundert hat Pelagio, der König von Asturien, die Araber in der Schlacht von Covadonga vernichtend geschlagen. In der Oper steht er noch auf der Verliererseite. Seine Tochter Bianca will den Frieden zwischen beiden Völkern besiegeln, indem sie dem feindlichen Führer die Hand reicht. Sie wird daraufhin vom Vater verflucht und am Ende von ihrem Geliebten getötet, der sie aufgrund einer ...
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Für jene, die jede Arie dreimal umdrehen, die alles abklopfen auf Logik und Meta-Ebenen, die mit schwerem Dramaturgenwerkzeug am sperrigen Stück schrauben, basteln und löten müssen, für die ist diese Aufführung nichts. So eine «Zauberflöte» hat das Münchner Gärtnerplatztheater außerdem gerade hinter sich. Dass das Gegenteil keine seichte Niedlichkeitsoffensive sein...
Zumindest im Opernbereich war die Bilanz des Händel-Jahres 2009 eher ernüchternd. Zwar wurde der 250. Komponistengeburtstag an nahezu jedem Opernhaus mit einer Produktion gewürdigt, doch ein Volltreffer, der Impulse für einen neuen, anderen Umgang mit Händels Opernfiguren gegeben hätte, scheint nicht dabei gewesen zu sein. Immerhin gab es einen Hoffnungsschimmer:...
Der Name Christoph Schlingensief ist inzwischen untrennbar mit dem Attribut «Lungenkrebs» verbunden. Das ist kein Zufall, fördert er doch selbst nach Kräften die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben; die öffentliche Zurschaustellung und Verkunstung seiner Krankheit ist Teil einer Therapie. Davon konnte man sich zuletzt wieder in seinem Luigi-Nono-Verschnitt...
