Ach!

Franco Fagioli beschwört auf seinem Händel-Album die hohe Kunst des Seufzens

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Die Szene ist grotesk, die Musik dazu wundervoll. Bertarido, exilierter, totgeglaubter König, ist inkog­nito in sein Land zurückgekehrt, steht vor seinem Grabmal und liest jene Inschrift, die von seinem (Ab-)­Leben kündet. Seine Seele brüllt, seine Stimme aber kleidet die Qualen des verwundeten Herzens in die denkbar mildesten Töne: Die Arie «Pompe vane di morte!» zählt unzweifelhaft zu den (lyrischen) Höhepunkten in Händels «Rodelinda, Regina de’ Longobardi».

Für einen Countertenor von der Qualität Franco Fagiolis ist diese pointiert-punktierte Klage nachgerade ein Fest, mit ihren zarten Schwellern, ihrer behutsam einkomponierten Agogik, der gleichsam gestauten Tristesse. Und so singt er diese feinnervige Preziose: sinnierend, reflektierend, inwendig, expressiv, mit glühend warmer Tongebung.

Überhaupt überwiegen auf dieser Aufnahme mit Arien von Händel die winterlichen Töne. Im Mittelpunkt steht der leidende, von Göttern wie von Menschen, vorzugsweise aber untreuen Geliebten verlassene Mann, der sich in seiner Einsamkeit nicht als starke Gestalt wähnt, sondern in Todessehnsucht vergeht. So etwa im ersten Teil von Rinaldos «Cara sposa», so auch in der berühmten Arie «Scherza ...

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Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Jürgen Otten

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