Mit wachem Geist
Am Ende wurde gespart. Leider. Denn ein Buch wie dieses verdient ein Register. Man möchte gern nochmals nachschlagen, will vergleichen. Doch das funktioniert nur, wenn man beim Lesen selbst einen Zettel mit Stichworten füllt. Dabei ist dieses Buch so reich an Thesen und Beobachtungen, an streitbaren und unzweideutigen. Einige Beispiele: «Es wird viel zu häufig von der Stimme statt vom Singen gesprochen», sagt Christian Gerhaher etwa, oder: «Ein wichtiger Schutz für junge Sänger ist in meinen Augen, nicht zu früh mit der Oper zu beginnen.
Das hat nichts mit der Lautstärke oder dem dramatischen Fach zu tun.» Oft schränkt Gerhaher seine Thesen ein mit «ich finde» oder «nach meiner Beobachtung». Der Sänger erhebt nie den Anspruch auf absolute, allgemeingültige Wahrheiten, zumal er die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse gern mit bescheidenem Understatement paart. Als Leser möchte man ihm am liebsten in jedem Absatz entweder energisch zustimmen, seine Gedanken weiterspinnen, weil er sie so spannend und anschaulich formuliert, oder aber, in Einzelfällen, auch widersprechen – etwa wenn er die «Deutschen Volkslieder» von Johannes Brahms abkanzelt. Brahms zählt ohnehin nicht zu den ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Christoph Vratz
Jubilare
Als Tochter einer Opernsängerin und eines Pianisten in Jamestown/North Dakota geboren, erhielt Judith Beckmann ihre musikalische Ausbildung an der University of Southern California, an der Music Academy of the West in Santa Barbara sowie später bei Lotte Lehmann. Nachdem sie 1961 einen Gesangswettbewerb in San Francisco gewonnen hatte, erhielt sie ein...
Catherine Foster, bevor Sie Sängerin wurden, haben Sie als Hebamme gearbeitet. Macht Sie das zu einem geerdeten Menschen?
Vielleicht. In meiner Familie kam es auf einen soliden Beruf an, und Singen gehörte sicher nicht in diese Kategorie. Ich habe 257 Babys auf die Welt gebracht. Diesen Job aufzugeben war keine leichte Entscheidung. Als ich meine Kündigung zur Post...
Ein musikalischer Senkrechtstarter! Darüber war man sich 1964 in Budapest bei der Uraufführung von Sándor Szokolays «Bluthochzeit» («Vérnász») einig. In Ungarn wurde das Werk in der Tat alsbald zum Repertoirestück, brachte es allein in den ersten fünf Jahren auf mehr als 50 Reprisen. Aber der Höhenflug dieser ersten Oper des jungen Komponisten beschränkte sich auf...
