Unterm Brennglas
Der Haarwasserfabrikant, der notorische Feuerteufel naiv bewirtet, während sie auf dem Dachboden seines Hauses bereits Benzinfässer stapeln: Max Frisch hatte sein Schauspiel «Biedermann und die Brandstifter» vor ein paar Jahrzehnten auf die Machtübernahme – den sogenannten Februarputsch – der Kommunisten 1948 in der Tschechoslowakei gemünzt. Doch aktuell ist der Stoff allemal, weil so menschlich im Sinne von Mephistos Feststellung «...den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte».
Brandstifter sind allgegenwärtig und zündeln an der Welt herum, ob als Politiker oder Zocker im Banken- und Wirtschaftsbereich. In solchem Zusammenhang hat Simon Vosecek, der Wiener Komponist mit tschechischen Wurzeln, aus Frischs Stück eine durchaus aktuelle Farce fürs Musiktheater geschrieben, die von der Neuen Oper Wien im September im Wiener Semperdepot uraufgeführt wurde. Deren Leiter Walter Kobéra und sein amadeus ensemble exekutierten mit Elan die Partitur, die das letzte halbe Jahrhundert europäischer Musikgeschichte wie im Brennglas konzentriert und dabei das Komische, Bizarre und Drastische zusammenspannt. Béatrice Lachaussée sorgte für eine unterhaltsam-konzentrierte ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Gerhard Persché
Stefan Soltesz’ Schatten in Essen ist lang. Sechzehn Jahre führte er das Haus mit straffer Hand in die Oberliga der Opernhäuser, nun rücken seine Erben nach – und Soltesz hat alle geplanten Gastspiele an seinem ehemaligen Haus abgesagt. Dieser Spannungen ungeachtet wagt das neue Leitungsteam mit Hein Mulders als Intendant und dem tschechischen Dirigenten Tomás...
Das Wunder bleibt aus. Kein Blitz entzündet – wie vom Librettisten Victor-Joseph Etienne de Jouy vorgesehen – am Ende Julias Schleier, um die heilige Flamme wieder zu entfachen. Bei Regisseur Eric Lacascade kommt das magische Licht in «La vestale» ganz profan zurück: Auf Wink der Oberpriesterin greift eine Vestalin zu einer Dekoleuchte. Der Pontifex maximus und...
Im Jubiläumsjahr trägt er Verdi nach London und Britten nach Rom – für einen Italo-Briten wie Antonio Pappano ist das nur konsequent. Das «War Requiem» der Accademia di Santa Cecilia kam gerade bei Warner Classics heraus. Jetzt hat Pappano seine italienische Saison mit «Peter Grimes» eröffnet. Brittens Sturm-Oper funktioniert schließlich konzertant genauso gut wie...
