Das Wissen der Körper
Herr Lazar, Sie sollen sich bereits im Alter von elf Jahren mit der Gestik und Deklamation im Barocktheater beschäftigt haben. Was um Himmels willen bringt ein Kind dazu, sich für so etwas zu interessieren?
Die Begegnung mit einer Französischlehrerin namens Isabelle Grellet, die ebenso begeistert vom Theater war, wie sie ihre Schüler dafür begeistern konnte.
Ich war da durchaus in guter Gesellschaft, in ihrem Theaterkurs habe ich zum Beispiel die Bühnenbildnerin Adeline Caron und die Schauspielerin und Regisseurin Louise Moaty kennengelernt; mit beiden habe ich später zusammengearbeitet. Grellet war auf die Arbeiten von Eugène Green zum Barocktheater gestoßen und wollte, dass ihre Schüler davon profitieren. Deshalb konnte ich mit ihm schon ab dem zwölften Lebensjahr arbeiten, Anfang der 1990er-Jahre Sein Zugang war damals einzigartig in Frankreich, weil er sich dem gesprochenen Vers mit demselben Anspruch widmete wie die historische Aufführungspraxis der Barockmusik. Ich war sofort verzaubert von seiner Art, die Sprache wie formbare Materie zu behandeln, eine körperliche Beziehung zum Wort herzustellen. Es war ein kleiner Kreis von jungen Menschen, die sich dafür interessierten. ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Interview, Seite 24
von Michael Stallknecht
Gewagtes Bild. Gemalt hat dieses Porträt, das in der Dresdner Gemäldegalerie hängt und den Titel «Die Gambenspielerin» trägt, um 1640 Bernardo Strozzi, ein venezianischer Künstler, für den auch Monteverdi Modell stand. Es zeigt eine junge Frau mit ernst-traurigem Blick, einem Rosenzweig im Haar, die Gambe samt Bogen in der Linken, den rechten Arm lässig auf ein...
Es sei ein Irrtum zu glauben, die entscheidenden Momente eines Lebens müssten von lauter und greller Dramatik sein, unterspült von heftigen inneren Aufwallungen. In Wahrheit sei die Dramatik einer lebensbestimmenden Erfahrung von leiserer, retardierender Art, dem Knall, der Stichflamme und dem Vulkanausbruch entgegengesetzt. Solches formuliert sinngemäß der...
Und immer wieder, überraschend wie das Fingerschnippen des Hypnotiseurs, dieser Akkord in strahlendem C-Dur, pures in Musik gegossenes Weißgold: In wenigen Takten am Ende seines «Król Roger» widerruft Karol Szymanowski den «Tristan»-Schluss, der ursprünglich wohl geplant gewesen war: Nicht Vergehen in unbewusst höchster Lust, sondern Reifung durch Erkenntnis und...
