Inbegriff der Ars Gallica
Régine Crespin (1927-2007) war die bedeutendste französische Sopranistin der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Warner Classics erinnert an sie mit einer umfangreichen CD-Kollektion, die Aufnahmen aus den Jahren 1958 bis 1976 bündelt – Arien und Szenen aus Opern Verdis, Wagners, Massenets und Puccinis, Offenbach-Operetten und einer reichen Liedauswahl, die von Berlioz bis Poulenc reicht.
Crespin besaß eine lyrische Stimme von exquisitem Timbre und war mit ihrer Legatokultur, ihrer eloquenten Deklamation, ihrem gestalterischen Feinschliff und ihrem Gespür für atmosphärische Valeurs der Inbegriff der vokalen ars gallica. Als dramatische Verdi- oder Puccini-Interpretin kann und will sie mit der eruptiven Tigerin Maria Callas nicht konkurrieren, sondern verlässt sich auch als Lady Macbeth oder Tosca ganz auf die Schönheit ihrer Stimme. Von den hier enthaltenen Wagner-Aufnahmen überzeugen am meisten die träumerischen «Wesendonck-Lieder», während die Ausschnitte aus «Tannhäuser», «Walküre» und «Parsifal» bereits ahnen lassen, dass sie die hochdramatische Brünnhilden-Partie, die sie 1968 auf Wunsch Karajans übernahm, in eine Stimmkrise führen wird, die sie niemals ganz überwinden ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert
Frau Crebassa, Mozarts Sesto ist in letzter Zeit zu einer Ihrer wichtigsten Rollen geworden. Sie haben die Partie 2017 in der Salzburger Neuproduktion von «La clemenza di Tito» unter Teodor Currentzis gesungen, wenige Monate später in einer von Dan Ettinger geleiteten Wiederaufnahme der Willy Decker-Produktion im Pariser Palais Garnier. Waren das, musikalisch...
Es ist das alte Spiel: «Hab mich ein bisschen lieb, dann wird aus mir doch noch ein anständiger Kerl», sagt er zu ihr. «Dafür hole ich dir die Sterne vom Himmel und lege dir die Welt zu Füßen.» Sie spürt eigentlich, dass es ihm nur um sich geht, erliegt aber schließlich doch seiner dunklen Faszination. Nur: Wir sind in der Oper, weshalb sie am Ende stirbt und von...
Es ist anzunehmen, dass Rolando Villazón Goethes «Zauberlehrling» kennt, schließlich ist er ein kluger Mann. Somit dürfte ihm auch jener Satz vertraut sein, mit dem der traurige Titelheld das Unheil in nässenden Gang setzt: «Und nun komm, du alter Besen! / Nimm die schlechten Lumpenhüllen; bist schon lange Knecht gewesen: Nun erfülle meinen Willen!» Mit ein...
