Kulturkampf in der Grauzone

Peter Konwitschny und Tomás Netopil verdichten, flankiert von einem Symposium, in Gent Halévys «La Juive»

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Ist plötzlich die Last von ihm abgefallen? Der innere Druck intensiver Probenwochen? Die Krisen des zweijährigen Ringens um ein Stück, ein Genre, das wie ein Buch mit sieben Siegeln erschien? Sind sie plötzlich verflogen, die Zweifel, Skrupel, bohrenden Fragen, die so lange im Kopf herumspukten? Wieder und wieder hatte er sie mit «der Bettina» (Bartz) und «dem Luc» (Joosten), seinen Dramaturgen, durchdekliniert.

Aber jetzt ist es, als wäre ein Schalk in den Mann gefahren, der da in einem Seitenfoyer der Genter Oper frisch, fröhlich, frei aus dem Nähkästchen plaudert und die Ruhe weg hat, eine halbe Stunde vor der Premiere.

«Die Bibel», scherzt Peter Konwitschny und nickt neckisch zu einem circa fünf Pfund schweren Buchkoloss hinüber, der sein Lebenswerk dokumentiert. Der Untertitel des Bandes: «Oper als Zentrum der Gegenwart». Ein großes Foto ziert den Schutzumschlag, lachend nimmt uns der große Operndeuter, der altmeisterlich junge Theateraufklärer ins Visier, das Ohr auf Empfang gestellt. In schlanken Lettern ruft es aus ihm heraus: «Mensch, Mensch, Mensch!» Sein brechtianisch, berghausianisch gefiltertes «ecce homo». Sein Appell, sich nie, nie, nie zu beruhigen angesichts der ...

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Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann

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