Zu kurz gedacht

Mozart: Bastien und Bastienne
Zemlinsky: Eine florentinische Tragödie
Halle | Oper

Opernwelt - Logo

Ach ja, die Liebe. Eine haarige Angelegenheit, heute mehr denn je. Die allesverschlingenden Märkte haben auch diese schönste Hauptsache der Welt amalgamiert; Gefühle sind im Wesentlichen ersetzt durch Akkumulation von Kapital, welches sie, als materialistische Konstante, darstellen. Der Planet bevölkert von lauter entfremdeten Konsumaffen, deren einziges Bestreben in der Selbstbefriedigung liegt und deren Seele jämmerlich auf dem Grabbeltisch verkümmert.

Eine düstere Vision? Nicht für Tobias Kratzer. Für ihn scheint Liebe kaum mehr zu sein als romantisch-gestrige Gefühlsduselei.

Das zumindest muss man annehmen nach Anschauung des Doppelabends an der Oper Halle, wo Kratzer, umworbener Darling der Szene und frisch gekürt mit dem prestigeträchtigen Theaterpreis Der Faust, zwei Werke verklammert hat, zwischen denen ein äußerst zartbesaitetes Band verläuft – sieht man einmal von der Tatsache ab, dass sowohl in Mozarts Jugendstreich «Bastien und Bastienne» als auch in Zemlinskys Wilde-Adaption «Eine florentinische Tragödie» drei Personen aufeinandertreffen, von denen eine als Störenfried (oder, je nach Perspektive, als Supervisor) fungiert: eine Konstellation, die Konflikte konstituiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Bekenntnisse eines Tiefstaplers

Herr Padmore, Sie haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass Sie keine große Stimme haben. Wenn ich jetzt sage: «Ihre Karriere ist das Ergebnis einer grandiosen Kompensation», stehen Sie dann gleich wieder auf und gehen?
(lacht) Wenn ich einen tollen Klang hätte, würde ich ihn einsetzen, keine Frage. Aber wie die Dinge liegen, muss ich eben behaupten, darauf kommt es...

O Melville!

Ein Ruf lockt auf dem Umschlag des originellen Werkstattprotokolls: «O Melville!» (Müry Salzmann Verlag, 2016). Und zwischen den Buchdeckeln erlebt man Olga Neuwirth 2011/12 in New York, wie sie sich an ihrer Oper «The Outcast» abarbeitet. Olga im Overall alltäglich als Selfie («Everyday Olga»); dazu das adäquate Foto ihres Schreibtischs («Quiet at the desk») und...

Apropos... Extreme

Frau Sun, Ihr jüngstes Projekt «Kolik» ist eins der extremsten Stücke seit Langem. Sie sind darin als Sängerin, Schauspielerin und Stimmperformerin gefordert. Was macht den Reiz einer solchen Arbeit für Sie aus?
Zunächst die Tatsache, dass der Protagonist im Original-Monolog ein Mann ist. Dann die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten, ihre Gegensätzlichkeit. Ich...