Ein Schiff wird kommen – doch wann?

Warten auf bessere Zeiten: Luca Francesconis «Quartett» und eine «Traviata» bei den Wiener Festwochen

Opernwelt - Logo

Der Großsponsor der Wiener Festwochen spendiert in diesem Jahr jedem Besucher einen putzigen Kugelschreiber mit nautischem Innenleben: Hält man das Schreibgerät schief, segelt eine winzige Galeone den gläsernen Schaft hinunter. Sie schafft Verbindung zum Cover der Festwochen-Broschüre und dem offiziellen Plakat: Zwei afrikanische Roomboys mit Bodenschrubbern links und rechts von einer leeren kleinen Hotel-Bühne postiert, deren Hintergrund ein Gemälde mit besagtem Segelschiff bildet.

Es ist ein Tableau aus der Filmtrilogie «Paradies», mit deren erstem Teil der Österreicher Ulrich Seidl vor ein paar Wochen das Publikum in Cannes provozierte. Handelt der Streifen doch weniger von Schiffen als von «Sugar Mamas», weißen Frauen mittleren bis gehobenen Alters, und ihrer Sehnsucht nach dem Gemächt junger kenianischer Callboys.

Das Bild suggeriert nicht nur die Sehnsucht und Neugier von «Ein Schiff wird kommen», von der Seidl in diesem Zusammenhang sprach, sondern vor allem Unterdrückung, Dritte Welt, Sklavenhandel. Und – denkt man an den Film, aus dem es stammt – natürlich Prostitution. So schafft man als Betrachter, tiré par les cheveux, dann doch den Assoziationsbogen zu Verdis Oper von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Zauber der Barbarei

Verkehrte Welt. In seiner vierten Inszenierung des «Attila» präsentiert Pier Luigi Pizzi den Hunnenkönig als Bewahrer des abendländischen Kulturerbes. Ein gewitztes, aber auch etwas übertriebenes Paradox. Schon im Schauspiel des deutschen Dramatikers Zacharias Werner wandelte sich der wilde Khan aus den asiatischen Steppen zu einem stockgermanischen Verehrer Wotans...

Hommage an Dietrich Fischer-Dieskau

Wie war er? Was hat ihn angetrieben, was ausgemacht? Was hat er bewirkt? Die Hommage auf den folgenden Seiten bietet Annäherungen an Dietrich Fischer-Dieskau. Neun Autorinnen und Autoren, neun Versuche – vom Essay bis zum kurzen Statement. Die Blickwinkel und Hörperspektiven sind so verschieden wie die inhaltlichen Aspekte.

Was hat er konkret musikalisch anders...

Das Wort als Ton

Es gibt in der Geschichte viele wunderbare Komponisten, deren Werke wir schätzen, die aber die historische Entwicklung der Musik nicht signifikant beeinflusst haben. Einige wenige Komponisten hingegen haben es geschafft, alles vorher Dagewesene zu summieren und gleichermaßen einen Weg in die Zukunft zu weisen – Bach, Schönberg, Wagner und Beethoven sind...