Der geschärfte Blick
Lieber Herr Marton, ist das gute, alte Stadttheater, wie es in Deutschland existiert, generell ein Ort für Sie?
Es ist eher die Frage, ob es ein Ort für Musiktheater ist. In Deutschland existiert immerhin dieser Begriff «Musiktheater», der auch experimentelle Formen jenseits der Oper oder des Musicals bezeichnet. Aber institutionell existiert diese Genre – anders als das Tanztheater, das zu einem eigenständigen Genre jenseits des Balletts geworden ist – auch hier nicht wirklich.
Als ich in der freien Szene, in den Berliner Sophiensaelen angefangen habe, schwebte mir so etwas vor: Musiktheater als Pendant zum Tanztheater, ein Theater erschaffen aus Musik, hauptsächlich mit Musikern auf der Bühne. Dann kamen Stadttheater auf mich zu, die das gesehen hatten, und ich dachte: Dort machen wir weiter, aber zu besseren Produktionsbedingungen. Daraus ist eine mehr als zehnjährige Reihe von Experimenten entstanden, in denen ich verschiedene Produktionsformen ausprobiert habe. Glückliche Situationen hatte ich vor allem an der Volksbühne in Berlin, unter der Leitung von Frank Castorf, und auch zuletzt wieder bei meiner Inszenierung von Allen Ginsbergs Poem «Howl», während der Intendanz von ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Interview, Seite 28
von Jürgen Otten
Ach, wer bringt die schönen Tage wieder? Vor Elsas Fenster liegt ödes Land: abgegraste Stoppelfelder, düster, kahl und kalt wie die Menschen, die hier leben. Goldfunkelnd leuchtet das Gralsmotiv aus dem Graben, Elsa kauert auf dem Bett, an der Zimmerwand erinnert ein Jagdhorn an den verschollenen Bruder.
In der Dortmunder Inszenierung von Ingo Kerkhof scheint der...
Schon mal was von ASMR gehört? Wir auch nicht. Autonomous Sensory Meridian Response – so nennt die Medizin eine Körperreaktion, die sich wie ein wohliges Kribbeln auf der Haut anfühlt. Manchmal wird es durch eine leichte Berührung ausgelöst, manchmal durch den Tonfall einer Stimme oder ein Geräusch. Was da genau passiert und warum, ist wissenschaftlich bislang...
Inwieweit das Gärtnerplatztheater auch größere Opernformate spielen sollte, bleibt eine Schlüsselfrage für Münchens zweite, kleinere Musiktheaterbühne. Josef E. Köpplinger, der gegenwärtige Intendant, schien in den letzten Jahren eher verstärkt auf Operette und Musical zu setzen. Dass er nun erstmals in der Geschichte des Hauses Giacomo Puccinis «Tosca» ansetzte,...
