In Schieflage
«Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus das Wesen der Operette. Was der österreichische Satiriker treffend formuliert, hat der Filmregisseur Philipp Stölzl – sein «Goethe!»-Biopic läuft gerade in den Kinos – beim Wort genommen und mit viel Aufwand in seiner Inszenierung der «Fledermaus» auf der Bühne der Staatsoper Stuttgart nachgestellt.
Stölzl stellt den karnevalesken Rausch aus Frenesie und Verbrüderung, den der Wiener Walzerkönig entfesselt, in einen ebenso überraschenden wie originellen Rahmen: Noch bevor die Musik einsetzt, sehen wir Prinz Orlofsky zwischen den Bäumen seines Lustgartens. Der blasierte junge Lebemann, glänzend verkörpert von Helene Schneiderman im glitzernden Tutu, kann nicht mehr lachen. In Erwartung der frivolen Ballnacht lässt er als Dompteur mit der Reitpeitsche die Puppen tanzen – und verspricht mehr, als Stölzl halten kann.
Der Garten bleibt stehen und gibt beim Aufgehen des Vorhangs einen Kubus frei – einen aufs Puppenstubenformat gestutzten gründerzeitlichen Salon in dezentesten Weiß- und Grautönen. Das Puppenstubenzimmer schwebt von Beginn an in leichter Schieflage, ...
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Der Komponist Saverio Mercadante ist auf dem Opernfestival in Wexford schon des Öfteren gewürdigt worden. Nach Aufführungen von «Elisa e Claudio» (1988), «Elena da Feltre» (1997), «Il giuramento» (2002) und «La vestale» (2004) wurde die 59. Spielzeit in diesem Jahr mit einer Neuinszenierung der selten gespielten «Virginia» eröffnet. Mercadante war 56 Jahre alt, als...
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Weiß ist der Mond, funktioniert mit 220 Volt und bietet Wärme in muffiger Kellerhölle. Liebkosend hält Rusalka ihn im Arm, während sie sich dem Liebsten und einer Utopie entgegensingt. Doch der Traum hält der Wirklichkeit nicht stand, verzweifelt wirft sie die Elektrokugel von sich. Ein Gefängnis also, bevölkert von Leidensschwestern, dominiert von einem...
