Hinterm Deich
Im Grunde erzählt sie eine traurige Geschichte, diese Komödie oder, wie der Untertitel verheißt, dieses Ballet bouffon. Da wird einem hilflosen Wesen übel mitgespielt, und alle Welt lacht sich kaputt. Uraufgeführt wurde das Werk 1745 in Versailles anlässlich der Hochzeit des Dauphins Louis mit der spanischen Infantin Maria Theresia, die – was im Blick auf den Inhalt des Stücks einen pikanten Beigeschmack enthält – nicht unbedingt als Schönheit galt.
Auch die Sumpfnymphe Platée nämlich, die gebeutelte Titelheldin in Rameaus Komödie, ist laut Libretto ein wenig attraktives Individuum und wird gerade deshalb zum idealen Angelpunkt für den Spott der Götter. Sie verkuppeln sie zum Schein mit Jupiter und lassen dessen Gattin Juno in dieses Idyll hineinplatzen. Die wird dadurch, für den Moment jedenfalls, von ihrer (wie die Mythologie zu berichten weiß, nicht grundlosen) Eifersucht auf den göttlichen Ehemann geheilt. Die Himmlischen hatten ihren Spaß, Platée bleibt, um ihre schönsten Hoffnungen betrogen, vernichtet zurück.
Soll der Zuschauer jetzt lachen oder weinen? In Bremerhaven wird Hinrich Horstkotte, für Regie und die herrlich einfallsreichen Kostüme zuständig, beiden Seiten der in ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Gerhart Asche
Den Titel «Gewandhauskapellmeister» gibt es immer noch. In den bisher stürmischsten Zeiten des Orchesters trug ihn Kurt Masur, zu Recht. Kapellmeister – das ist ein Ehrentitel, die Übersetzung des italienischen «Maestro di cappella». Es gibt ihn also nicht, den von den Medien immer wieder herbeigeredeten Qualitätsunterschied zwischen «Maestro» und «Kapellmeister»....
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...
