Liebeswahn, geerdet
Sie sind Meister des psychologischen Realismus. Das haben Jossi Wieler und Sergio Morabito mit vielen Arbeiten bewiesen, zuletzt mit der Uraufführung von Mark Andres spirituellem Musiktheater «wunderzaichen» (siehe OW 4/2014). So überrascht es nicht, dass sie auch ein anderes fast handlungsloses, scheinbar der Realität enthobenes Weltentsagungswerk wie «Tristan und Isolde» – Nietzsche hat es als das «eigentliche opus metaphysicum aller Kunst» bezeichnet – nicht mythisch vernebeln, gar erhöhen, sondern handfest theatralisch verorten.
Bert Neumann nahm dafür beim Puppentheater Maß. Sein Schiff, das die irische Königstochter Isolde nebst Dienerin zur Zwangsheirat nach Cornwall bringt, ist ein hölzerner, in den Pappmaché-Wogen heftig schlingernder Kahn. Zwei zusammengeschnürte Bündel, obenauf ein grotesker Kopfschmuck und ein Spinnrad sowie eine am segellosen Mast vertäute Standuhr sind die Habseligkeiten, die Isolde mit sich führt. Was die Regie hier auf engstem Raum an gestisch-mimischem Körperspiel entfaltet, schließt nicht nur die Figuren und deren Psyche auf, sondern reicht – wann je hätte man in einer «Tristan»-Aufführung gelacht? – bis zum kruden Aberwitz, etwa wenn Isolde sich ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Uwe Schweiker
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Sein Name wird immer mit dem «Jahrhundert-Ring» von Patrice Chéreau und Pierre Boulez verbunden bleiben: Hier schwang er sich 1976 als Wotan und Wanderer zum führenden Heldenbariton seiner Generation auf, wobei seine schauspielerische Gestaltung des Göttervaters der vokalen ebenbürtig war. Ein Sänger, dem man auch in den oft als lang empfundenen Dialogen mit Fricka...
Zwei Autostunden nördlich von New York City, am Hudson River gelegen, findet seit 25 Jahren eines der wichtigen nordamerikanischen Sommer-Musikfestivals statt. An zwei Wochenenden widmet sich am Bard College das American Symphony Orchestra unter der Leitung von College-Präsident Leon Botstein den Werken ausgesuchter Komponisten, flankiert von Vorträgen, Symposien...
