Plädoyer für den singenden Menschen
Die Opernhäuser Deutschlands sind mit zunehmenden Herausforderungen und Bedrohungen konfrontiert. In einer Zeit knapper Kassen wächst der Legitimationszwang. Der traditionelle Repertoirebetrieb, festangestellte Ensembles und Orchester, machen die Opernlandschaft Deutschlands zu einer aufwändigen Sache. Weltweit gibt es nichts Vergleichbares. Zunehmend wird Oper jedoch zur verbeamteten Institution – Verwaltungsangestellte und Rechtsanwälte leiten ihr Geschick. Die Unterminierung des Systems findet auf breiter Front statt.
Hat sich das Regietheater in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich darin hervorgetan, immer neue psychologische Tiefenschichten freizulegen, soziale Parallelen zwischen Stück und Entstehungszeit plastisch zu machen oder – mehr oder weniger geglückt – Gegenwartsbezüge herzustellen, so kommt in letzter Zeit von dort kaum noch wirklich Neues, Konzeptionen wiederholen sich. Dazu kommt, dass sich das Publikum in den letzten zwanzig Jahren mehr verändert hat als in hundert Jahren zuvor. Es sind nicht so sehr soziale Umbrüche, Wandlungen und Differenzierungen der Lebensstile, die zur Herausforderung für die Oper werden, sondern vielmehr eine elementare Veränderung ...
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«Die Frau ohne Schatten» ist gespickt mit Anspielungen und Motiven, mit Zitaten und Entlehnungen; sie lässt sich nicht wirklich inszenieren, ohne dass es an einigen Stellen gründlich hakt. Wer als Regisseur jeden Bezug, jedes Symbol mit einer Erklärung versehen möchte, ist schnell verloren.
Auf diesem Hintergrund verdient Guy Joostens Produktion für die Düsseldorfer...
Tommaso Traetta zieht. Schon seit geraumer Zeit. Vor zwei Jahren grub das Mannheimer Nationaltheater seine «Sofonisba» aus (siehe OW 4/2006). Vor neun Jahren stemmte das Festival in Martina Franca die zwischen Rameau und Mozart stehende Reform-Seria «Ippolito ed Aricia» und konservierte das Projekt auf CD (siehe OW 12/2000). 1997 ging Christophe Rousset mit den...
Günther Rühle, seit den sechziger Jahren maßgeblicher deutschsprachiger Theaterkritiker, 1985 bis 1990 sogar selbst Intendant am Frankfurter Schauspiel, hat im März 1984 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen Essay veröffentlicht: «Intendant gesucht» (wiederveröffentlicht in dem suhrkamp taschenbuch «Was soll das Theater?»). Zugegeben: Der Text, aus dem wir...
