Chiffren des Unverfügbaren
Selbst in einer so musikliberalen Stadt wie Frankfurt am Main geht eine Lachenmann-Premiere nicht ganz ohne Buhs ab. Natürlich gab es im Vorfeld der Aufführung auch jenen konservativen Opernhabitué, der wütend um sich herum zu agitieren versuchte und wieder einmal die «unverantwortliche Verschleuderung von Steuergeldern» bemühte (womit er beim Schreiber dieser Zeilen gerade an die richtige Adresse kam).
Von derlei zum Glück nur mehr skurrilem Gefletsche ließ sich Opernchef Bernd Loebe gewiss nicht beeinflussen, wenn er das schon lange geplante Projekt «Mädchen mit den Schwefelhölzern» etliche Jahre hinausschob. Eine gründliche, überzeugende Arbeit sollte vorgelegt werden, und diese bedurfte einer ungewöhnlich aufwändigen Vorbereitung. Benedikt von Peters Lösung, das erratische Werk in einem weidlich «umgebauten» Theaterraum en suite mit sieben Abenden am Anfang der Spielzeit zu platzieren, war selbstverständlich eine organisationstechnische Herausforderung.
Wie kaum anders zu erwarten, gab es keine Guckkasten-Optik. Natascha von Steigers Raumkonstruktion bezog den unteren Teil der Bühne als Publikumsbereich ein. Darüber thronte tribünenartig der Großteil des Orchesters mit dem wie ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Hans-Klaus Jungheinrich
Jubilare
Als Papageno gab Håkan Hagegård 1968 an der Königlichen Oper von Stockholm sein Debüt. In derselben Rolle wurde der an der Königlichen Musikschule Stockholm und am Salzburger Mozarteum ausgebildete Bariton in Ingmar Bergmans Verfilmung von Mozarts «Zauberflöte» (1975) einem breiten Publikum bekannt. 1980 debütierte er an der New Yorker Met als Malatesta in...
Er wollte es immer genau wissen. Bei allem, was er tat. Nicht nur, wenn es um die eigene Arbeit ging. Beim skrupulösen, sensiblen, kundigen und vor allem: musikalischen Ausloten von Libretti und Partituren, Plots und Figuren, Stoffkomplexen und Subtexten. Sondern auch, wenn er den Kollegen vom Parkett aus über die Schulter schaute. Was sie in Stücken oder...
Ein riskanter Selbstversuch: Kann man innerhalb von 24 Stunden zwei «Rosenkavalier»-Vorstellungen durchstehen? Zweimal kurz hintereinander die Wehmut des Marschallinnen-Monologs ertragen, das Flirren der Rosenüberreichung, die Turbulenzen der Beisel-Raufereien, das tränentreibende Schlussterzett?
Man kann. Aber die Nebenwirkungen sind erheblich, und die Überdosis...
