Auf Leben und Tod
Abschied von der Erlösung
«Confidence Games» nennt der amerikanische Religionswissenschaftler Mark C. Taylor die Strategien, die in Religion und Ökonomie für Bewegung sorgen. «Täuschungsspiele» ist wahrscheinlich eine unzureichende Übersetzung, die der Dialektik von Vertrauen und Verdacht, die in diesem Wort mitschwingt, nicht gerecht wird. Für Taylor sind diese Spiele, die eine Sphäre grundsätzlicher Unsicherheit und Ungewissheit erzeugen, von zentraler Bedeutung.
In seinem Buch über «Geld und Markt in einer Welt ohne Erlösung» sieht er die Triebfeder religiöser und ökonomischer Praktiken nicht in der Sicherheit göttlicher Offenbarungen und gültiger Wahrheiten, sondern in der Unruhe, die entsteht, wenn wir uns bewusst machen, dass wir nichts wissen können und dass alle unsere Überzeugungen von einem Moment auf den andern zusammenbrechen können. Je umfassender der Glaube, desto größer der Zweifel. Dieses Phänomen, das Ethnographen auch für scheinbar fest gefügte traditionelle Glaubenssysteme nachgewiesen haben, wird von Taylor nicht beklagt, sondern als Lebendigkeitskriterium eingeführt und zum Paradigma einer aufgeklärten zukunftsoffenen Lebensform erklärt. Unsicherheit und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Oper hat ihn ein Leben lang beschäftigt. Doch sein klangliches Credo wurde weniger von Großformaten als durch jene Erfahrungen mit Kammermusik geformt, die ihn als junger Mann in Mailand prägten. Das Gespür fürs Filigrane, für feinste Nuancen, Schattierungen und Spannungen hat sich Claudio Abbado stets bewahrt. Das gilt für die Zeit als Musikchef der Mailänder...
Der Sommer hatte soeben begonnen, da geschah das kleine Wunder: Im Seegebiet vor Rügens Kap Arkona wurde ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal gesichtet. Ein Ornithologe habe das Tier zwei Stunden lang beobachtet und auf seiner verirrten Bahn durch das Meer verfolgt, hieß es in einem Zeitungsbericht. Warum er es tat, erklärte uns Unwissenden hernach ein richtiger...
Walter Braunfels (1882-1954) gehörte – neben Richard Strauss und Franz Schreker – zu den erfolgreichsten Komponisten der Weimarer Republik. Seine Aristophanes-Oper «Die Vögel», 1920 von Bruno Walter in München uraufgeführt, stand in den folgenden Jahren u. a. in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Wien auf dem Spielplan. Im NS-Staat wurde Braunfels als «Halbjude» sofort...
