Drommetenrot

Verdis „Macbeth“ in Brünn

Opernwelt - Logo

Polizeikordons in der Altstadt von Brno. Am Platz vor der Reduta, in der schon der elfjährige Mozart konzertiert hatte, sammelten sich Demonstranten, der milde Sonnenschein mochte so gar nicht mit der Aggression übereinstimmen, die in der Luft lag. Ein Tag im Mai, die Rechten wollten aufmarschieren, die Linken hatten viel dagegen.

Der Platz war gut gewählt, gilt die Reduta doch nicht nur als historisch bedeutsames Theater- und Konzertgebäude, sondern bis heute auch als Ort wichtiger politischer Versammlungen – speziell der im Gedenken an Mozarts Gastspiel nach ihm benannte und kürzlich renovierte Saal, dessen Charakteristikum eine in ein ganz eigenartiges Rot getauchte Tapete ist. Es könnte das «Drommetenrot» sein, von dem der aus Prag stammende Schriftsteller Leo Perutz in seinem Roman «Der Meister des jüngsten Tages» spricht – jenes Rot, das beim großen Gericht den Himmel färben wird.
Eben dieses Rot leuchtet dem Zuschauer auch beim neuen «Macbeth» von der Bühne des Janácek-Theaters in Brünn entgegen. Denn Regisseur Bruno Berger-Gorski und Bühnenbildner Daniel Dvorák (zugleich Intendant des Nationaltheaters Brünn) haben das Ehebett der Macbeths, in dem die auf Macht versessene ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ideendrama

Ein Mann kehrt heim. Er ahnt, dass er getötet werden wird, und er wird getötet. So hat T. S. Eliot selbst den Inhalt seines Stücks «Murder in the Cathedral» zusammengefasst. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis von dessen anti-dramatischer Natur. Angesichts der bösen Händel weltlicher Mächte muss der wahrhaft Gläubige (sei es die fromme griechische...

Apropos ... Theodora

Herr Mehta, nicht wenige Musiker halten «Theodora» für Händels bestes Werk – dennoch wird es nicht gerade häufig aufgeführt. Wie erklären Sie sich das?
«Theodora» enttäuscht erst mal alle, die den Donner und Blitz und die großen Koloraturfeuerwerke von Händels italienischen Opern erwarten. Die Qualitäten liegen eher in der Tiefe und Nachdenklichkeit. Für mich ist es...

Referenzaufnahme

Im November 2002 feierte an der Berliner Staatsoper Schostakowitschs «Die Nase» unter Kent Nagano Premiere – eine Aufführung, die vor allem wegen des Bühnenbildes und der Kostüme von Jörg Immendorff größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Sechs Jahre später gab das Mariinsky Theater unter Valery Gergiev in der Deutschen Oper ein mehrteiliges Gastspiel – auf...