Jetzt erst recht, gerade jetzt!

In den Bergen des Libanon wird seit zwanzig Jahren Klassik gespielt – in diesem Jahr zum ersten Mal auch Wagner. Mit dem Al Bustan Festival setzt dessen Gründerin Myrna Bustani auch ein Zeichen für das zerrissene Land.

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Sie hätte weggehen können. Nach Europa oder nach Südamerika. Wohin auch immer. Raus aus dem lebensgefährlichen Chaos, in das der Bürgerkrieg die Stadt und das Land gestürzt hatte. Damals, als in Beirut die Straßenkämpfe begannen. Als Scharfschützen von Dächern und aus Hochhäusern auf alles schossen, was sich bewegte. In wechselnden Koalitionen, bis niemand mehr genau wusste, wer gerade auf wen feuerte. Nur eines wusste Myrna Bustani in jenem Frühsommer vor 38 Jahren, als die Tragödie des Libanon begann: Sie würde bleiben und irgendwie durchhalten.

Das Feld nicht einfach denen überlassen, die mit Maschinengewehren, Mörsern und Handgranaten um die Macht pokerten. Und rücksichtslos zerstörten, was ihr lieb und teuer war: eine fragile, stets gefährdete, bis zum Ausbruch der blutigen Auseinandersetzungen aber nie grundsätzlich in Frage gestellte Kultur der Toleranz, die sie als Kind und als junge Frau kennengelernt hatte.

Sie ist geblieben. Auch um der Mutter beizustehen, die in Beit Mery, einer Sommerfrische 800 Meter über der rauchenden City, das Familienhotel Al Bustan führte, damals eines der besten Häuser weit und breit. Irgendwann ­lagen auch die Vororte an den Hängen des ...

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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Reportage, Seite 60
von Albrecht Thiemann

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